Meiko und Peter Bruntnell sind "In Your Dreams" und "King Of Madrid"

CD-Tipps der Woche : Herzerwärmende Sommerbrisen

Die neuen Alben von Meiko und Peter Bruntnell: Ansteckende Zufriedenheit und Melancholie.

Sie stammt aus Nashville, Tennessee, wo sie bereits seit zwölf Jahren Musik macht und bislang vier Alben veröffentlichte. Ein zusätzlicher Job als Kellnerin war nötig fürs tägliche Brot, gleichwohl ihr feiner Indie-Folk-Pop durchaus Aufmerksamkeit erlangte und in Japan sogar bis in die Charts vordrang. Kürzlich zog Meiko mit ihrer kleinen Familie nach Deutschland, von wo aus sie nun den nächsten Karrierehebel ansetzt.

Nach vier veröffentlichten Alben in Nahsville zog es Meiko für ihr fünftes Werk, „In Your Dreams“ mit ihrer Familie nach Deutschland. Hier will sie den nächsten Karriereschritt wagen. Foto: HighRes/Ryan Nolan

Die Chancen stehen nicht schlecht, schließlich erinnert Meiko – nicht nur stimmlich – an die frühe Suzanne Vega. Und: sie weiß, was sie will. Aus ihrer Lyrik spricht große, ja: ansteckende Zufriedenheit. „She wakes up / Fills her coffee cup / She looks outside to see the sunrise / And she knows where to go / She knows what to follow /…/ She’s on her way / She knows where to stay“. So beginnt „In Your Dreams“ (popup-records/Soulfood ✮✮✮✮) – und es fällt leicht diesem 30 bezaubernde Minuten langen Liederreigen zu verfallen. Besagte „She“ hatte sich gerade noch rechtzeitig aus einem engen Lebenskorsett befreit („She knew she wasn’t happy / right before she said she needed space“) und genießt nun selbstbestimmte Freiheit. Der nächste Track („Gimme Kimme“) beschäftigt sich mit Gier, der übernächste („My Brain Is A Computer“) erneut mit allzu bequemer Fremdbestimmtheit. Auch Meikos Mutterrolle findet Widerhall in Songs, die nichts beschönigen und doch tiefes Glück ausstrahlen. Sparsam sind sie arrangiert, eine akustische Gitarre dominiert, dezente elektronische Finessen untermalen, kolorieren, reiben potentielle Glätte behutsam auf. „In Your Dreams“ ist wie eine beseelte Sommerbrise.

Foto: Bluerose

Von Peter Bruntnell wissen wir, dass er seit nunmehr einem Vierteljahrhundert im Americana-Fach betörend unterwegs ist. Immer waren seine Alben gleichermaßen durchdrungen von verführerischer, an Sixties-Glorie geschulter Melodik und einer ausgewachsenen, sanft psychedelisierten Melancholie. Wer beides liebt, bekam vom Briten eine Garantie auf musikalischen Genuss und hat seine Alben direkt neben jene von JayFarrar/Son Volt, Richmond Fontaine oder Kathleen Edwards platziert. Auch das hypnotisierend dunkle Frühwerk von R.E.M. steht ganz in der Nähe…

Foto: Blue Rose

Als „King Of Madrid“ (Blue Rose ✮✮✮✮✮) serviert der Saiten- und Tasten-Magier nun seine Kunst in gewohnter Klasse, knüpft schwebend-dichte Sound-Teppiche, lässt sein Rhythmus-Duo aus Bass und Schlagwerk köstlich pulsieren, eine Pedal Steel aufheulen – und singt wie immer herzerwärmend schön. All das zieht einen erneut so fest in den Bann, dass man den textlichen Aufruhr (Brexit, neue Medien, Gott) glatt überhören könnte… Peter Bruntnell ist und bleibt ein König denkbar atmosphärischster Americana.

Mehr von Saarbrücker Zeitung