Liam Gallagher, Elbow und Nick Cave & The Bad Seeds mit neuen CDs

Starke Alben : Eine Verbeugung vor den Beatles

Neues von der Insel: Starke Alben von Liam Gallagher, Elbow und Nick Cave & The Bad Seeds.

Vor einigen Monaten sagte Liam Gallagher sein Konzert in Luxemburg ab, weil er mit seinen externen Songschreibern noch an seinem zweiten Soloalbum arbeiten müsse. So bitter die Absage war, sie hat immerhin dazu geführt, dass der frühere Oasis-Sänger das beachtliche Album „Why Me? Why Not.“ (Warner ✮✮✮✮✮) abliefern konnte. Im Gegensatz zu seinem Bruder Noel Gallagher, der neuerdings mit Electro und Pop experimentiert, bleibt der fünf Jahre jüngere Liam mehr oder weniger dem Oasis-Pfad treu. Was nicht heißt, er ruhe sich auf den einstigen Britpop-Lorbeeren aus. Das Album klingt aber stellenweise so wie Oasis vielleicht anno 2019 klingen würden, hätten sich die beiden Hitzköpfe nicht vor zehn Jahren überworfen – siehe „One Of Us“ und das stampfende „The River“. Daneben stehen im Titelsong und in „Now That I‘ve Found You“ unüberhörbare Verbeugungen vor den übermächtigen Beatles. Why not.

Foto: Warner

Im Schatten des Dämons Brexit, des Londoner Hochausbrandes (gemeint ist das Grenfell Tower-Feuer im Juni 2017) und nach dem Tode seines Vaters und zweier enger Freunde schrieb Guy Garvey die Texte für „Giants Of All Sizes“ (Polydor/Universal ✮✮✮✮), das achte Album seiner Band Elbow. Die Musik ist ruhig, melancholisch und teils meditativ („Seven Veils“). Dabei beschrieb Garvey das Album als „eine wütende, alte blaue Klage, die ihre Rettung in Familie, Freunden, der Band und neuem Leben findet“. Der beste Song dieser Klage ist die Single „Empires“, mit der Elbow an ihre besten Zeiten anknüpfen können. Die restlichen, von Progrock-Einflüssen durchsetzten Songs sind nicht darauf aus, den Hörer im Nu für sich zu gewinnen („White Noise White Heat“, „My Trouble“). Sie sind weniger eingängig, aber ebenso wichtig für Garvey & Co. wie all die anderen aus den Jahren zuvor.

Foto: Universal
Foto: Rough Trade/Tom duBois

Anfang Oktober erschien ohne Werbetrommeln das Nick Cave & The Bad Seeds-Doppelalbum „Ghosteen“ (Ghosteen Ltd./Rough Trade ✮✮✮✮✮), der Abschluss der Albumtrilogie, zu der auch „Push The Sky Away“ (2013) und „Skeleton Tree“ (2016) zählen. Aufgenommen Ende 2018 und Anfang dieses Jahres, geht die Band in Sachen meditativer Musik noch einen Schritt weiter als Elbow. Die Songs sind minimalistisch und intim („Night Raid“), esoterisch angehaucht ( „Sun Forest“, „Ghosteen Speaks“) oder auch ausladend („Ghosteen“). Es scheint, als drängten sie aus einer in der Ferne gelegenen Fabelwelt an unser Ohr und seien das Vehikel für Caves poetisch-verklausulierte, fantastische Zeilen. Die singt oder spricht er. „Ghosteen“ ist somit ein Album wie gemacht für die dunkleren Monate.