CD-Tipps der Woche: Indie-Pop und ein Sixties-Meisterwerk

CD-Tipps der Woche : Indie-Pop und ein Sixties-Meisterwerk

Backseat serviert Subshine, Sail By Summer, Carnival Youth und The Bad Tones.

Norwegen, Lettland… Backseat Promotion & Label aus Hamburg hat seit seinem Start vor zwei Jahren immer über den Tellerrand geschaut – und damit etliche überwiegend im sogenannten Indie-Pop-Bereich anzusiedelnde Perlen gefischt. In Norwegen kennen sich die Backsaat-Chefs Thamer und Krol ohnehin gut aus: Man denke nur an Minor Majority… Jetzt gibt’s Nachschlag mit Subshine und Sail By Summer.

Subshine ist ein Neuanfang für Ole Gunnar Gunderson – nachdem er mit Lorraine, später mit Blackroom, in den Nullerjahren zu Erfolg gekommen war („I Feel It“!) und sogar für die Pet Shop Boys und Mew eröffnen durfte. Elektronischer als zuvor agiert Gunderson nun und bezieht sich explizit auf Depeche Mode, Ultravox und Air. Es ist ein zwiespältiges Experiment, denn erst mit den beiden sehnsuchtsvollen, filigranen, mithin an die Vorgänger-Bands gemahnenden Abschluss-Tracks wird „Easy Window“ (Apollon Records/Membran ✮✮✮) richtig gut. Bis dahin klingen Subshine zwar hymnisch bis tanzbar, bisweilen aber auch nicht besonders inspiriert.

Foto: Backseat

Dass Sail By Summer mit jedem Ton nach Welt umarmendem Pop Ausschau halten, spürt man schon in der Eröffnung „Fetch You Roses“. „Casual Heaven“ (Apollon Records ✮✮✮✮) bezaubert also vom Fleck weg, Sänger William Hut „pflückt Rosen vom kalten Grund“, er barmt und sehnt. Für den verlässlichen Vorwärtsgang sorgt eine brillante Rhythmik, für das romantische i-Tüpfelchen Jens Kristians Keyboard. Somit sind Sail By Summer ein höchst willkommenes Duo, weil es – ähnlich wie Villagers – die Folk-Sensibilität von Iron & Wine oder Bon Iver mit der raffinierten Körperlichkeit von Vampire Weekend versöhnt. Es ist ein süßer Tanz mit der Melancholie.

Foto: Backseat
Foto: Backseat
Foto: Backseat

Das lettische Riga hat mit Carnival Youth bereits eine feine, international angesehene Combo am Start. Ihr aktuelles Werk „Good Luck“ (Backseat ✮✮✮✮) erscheint ebenfalls dieser Tage und offeriert einen aufgeregten, mithin herausfordernden, immer aber hörenswerten Indie-Pop mit Latin-Flair. Als „vom Blues getriebenes psychedeliches Rock-Quartett“ werden The Bad Tones, eine noch bessere Riga-Band, angepriesen. Ergänzen darf man auch „Folk“, denn wie beispielsweise „Soon I’ll Be Gone“ sanft in allerfeinste Fleet Foxes-Gewässer segelt, ist schlicht betörend. Anderes – wie der grandiose „Moon Song“– gemahnt an Tame Impala oder MGMT. „Is It Good Enough?“ (Backseat ✮✮✮✮✮) fragt der Albumtitel zögerlich. Doch gebührt diesem köstlich verspulten, unglaublich facettenreichen Reigen als Antwort definitiv ein restlos begeistertes „Yeah!!“ – weil er klingt wie ein verschollenes Sixties-Meisterwerk zwischen Jazz (das Saxophon!), Byrds und Pink Floyd.

Mehr von Saarbrücker Zeitung