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Ein zarter Song-Poet trifft auf eine rustikale Jazzaffine Sound-Fabrik.

Kjellvandertonbruket : Eine unwahrscheinliche Hochzeit

✮✮✮✮✮ Ein zarter Song-Poet trifft auf eine rustikale Jazz-affine „Sound-Fabrik“.

Beide Künstler kommen aus Schweden – sowohl Christian Kjellvander als auch die Combo Tonbruket. Klanglich gibt es wenig Überschneidung. Dennoch verspricht der Info-Zettel von Kjellvandertonbruket vollmundig: „Für Fans von Nick Drake, Leonard Cohen und Nick Cave“.

Mit dem sperrig klapprigen, irrlichtenden Opener „Yacht In The Fog“ wird diese Spezies allerdings zunächst wenig anzufangen wissen. Heimeliger erscheint danach „Tidal Wave“. Kjellvanders melancholisch dräuende Stimme nimmt den affinen Hörer, der nun tatsächlich aus dem Drake/Cohen/Cave-Dunstkreis kommen darf, lockend an die Hand. Störgeräusche wiederum verhindern auf raffinierte Weise ein Zuviel an Heimeligkeit.

Immerhin der Bass pocht warm und fest. Die allerbesten sieben Minuten von Doom Country (Startracks/Indigo ✮✮✮✮✮) kommen in Form der restlos bezaubernden Strahlkraft von „Loneliest Woman In The World“. Einen derart magischen Flow bekam man zuletzt nur von Nick Cave („Ghosteen“) und den Tindersticks („No Treasure But Hope“).

Das Herz des Hörers ist zutiefst irritiert, weiß es doch tatsächlich nicht, ob es beim Lauschen zugeschnürt wird oder ob ihm warm wird. Vermutlich beides. Es ist der Wahnsinn. Und auch die pure Sehnsucht. Man versteht „I love you“ und „how I need you“. Hört man es? Oder spürt man es nur? Vermutlich beides. Ein Beschreibungsversuch: der Bass stochert beharrlich in der Magengegend herum, elektrische Saiten mäandern, twangen, zupfen, sezieren. Schlagwerk klöppelt, treibt den Song nicht an, spielt nur ein bisschen damit. Des Sängers Worte lautmalen in düstersten Gänsehaut-Farben. Piano-Tupfer deuten Licht am Ende des Tunnels an.

 Die ungewöhnliche Combo Kjellvandertonbucket überzeugt mit ihrem Mix aus zarter Song-Poesie und rustikalem Jazz.
Die ungewöhnliche Combo Kjellvandertonbucket überzeugt mit ihrem Mix aus zarter Song-Poesie und rustikalem Jazz. Foto: Walse
 Cover Kjellvandertonbruket - Doom Country
Cover Kjellvandertonbruket - Doom Country Foto: Backseat

Doch will man an das Ende des Tunnels überhaupt gelangen? Oder lieber noch ein weiteres Mal Repeat drücken? Erneut: vermutlich beides. Wer sich indes vom Bann lösen kann begegnet danach einer dreiteiligen Suite namens „Normal Behaviour In A Cutting Garden“, die auf Vinyl die komplette zweite Seite einnimmt. Was auf diesem Monumental-Song bereichernd dazu kommt sind die faszinierenden Schwingungen einer Pedal Steel-Gitarre. „Doom Country“ ist also der passende Titel. So währt der Rausch dieser so wundersam gelungenen Kollaboration also weitere 21 Minuten. Mit wieviel unvermutetem Herzblut sich Kjellvander hier in einen Bariton verwandelt! Zwei Tage genügten für die Aufnahmen – angeblich beließ man alle „first takes“. So wurde ein neues Genres geschaffen: „Psychedelischer Neo-Folk-Country-Blues-Jazz“.