Drei Dream-Pop Künstlerinnen beglücken mit feinem und femininer Musik

Dream-Pop : Beseelte Klänge von betörenden Frauen

Chastity Belt (✮✮✮✮), Penny Police (✮✮✮✮) und Girl In Red (✮✮✮✮) beglücken mit feinem und femininem Dream-Pop.

Die Bezeichnung Dream-Pop wird gerne synonym mit Shoegaze genutzt. Zum einen also: Traum-Pop. Und Shoegaze? Wörtlich: „auf seine eigenen Füße starren“ – übertragen auf Musik: selbstverloren das Instrumentarium bedienen, kaum Soli, eher ein gleichmäßig zäh dahin fließender Mahlstrom an Sounds, mit einem beständigen (Bass-)Puls und verhuschtem Gesang. Berührungsängste mit Feedbacks gibt es nicht. Zudem ist ein behutsames Herausarbeiten potentieller Alleinstellungsmerkmale – trotz leidenschaftlich gepflegter Relaxtet – jederzeit spürbar.

Chasity Belt Albumcover. Foto: Cargo Records

Beim Frauen-Vierer Chastity Belt (übersetzt: Keuchheitsgürtel) ist es zuvorderst der Geigenstrich von Bassistin Annie Truscott, der regelmäßig im traditionell gleichförmigen Klang für höhere Weihen sorgt. Gretchen Grimm, Julia Shapiro, die mit Adam Green kooperiert, und Lydia Lund knüpfen mit reichlich Saiten, präzisem Schlagwerk und sparsamen Tasten den basalen Teppich von „Chastity Belt“ (Hardly Art ✮✮✮✮). Zweimal sorgt ein Gast-Cello für Gänsehaut. Dieses im sonnigen Kalifornien eingespielte, vierte Band-Album ist kein Meisterwerk, aber ein feiner, ja: beseelter Genre-Beitrag.

penny Police - Be Lucky. Foto: Backseat

Gleiches gilt für „Be Lucky“ (Backseat/Soulfood ✮✮✮✮), die aktuelle CD von Marie Fjelsted alias Penny Police. Der Promoter vermeidet die Begriffe Dream-Pop/Shoegaze und spricht stattdessen lieber von „Indie-Pop/Folk/Soul/Lounge“. Man darf das so stehen lassen, gehört das Auflösen starrer Grenzen doch zum weitläufigen Genre explizit dazu. Wichtig ist dem „introvertierten Anti-Star“, wie Penny Police sich selbst beschreibt, die Erzeugung von Intimität und Wärme, die Vermittlung einer Aura. Synthetik wird man auf diesem Album deshalb nicht finden. Stattdessen: eine zarte rhythmische Basis aus Saiten, Tasten und Schlagwerk und als Schmankerl Streicher und Bläser. Tatsächlich findet hier all das ganz wunderbar zusammen. Und dass die bekannte Schwedin Ana Brun das erklärte Vorbild der Dänin ist, darf nach vergnüglichen Hörproben als belegt gelten.

girl in red - Beginnings. Foto: Radicalis

Die erst 20-jährige Norwegerin Marie Ulven alias Girl In Red gastiert längst in ausverkauften Hallen. Ihre Weisen bespielen ebenfalls eher die Randgebiete von Shoegaze. „beginnings“ (Marie Ulven/AWAL ✮✮✮✮) erscheint als limitierte Vinyl-Edition – zwei bislang als „chapter 1“ und „chapter 2“ erschiene EPs vereinend. Viel Hall liegt auf der unaufgeregten, gleichwohl sehnsüchtigen Stimme über gleichgeschlechtliche Liebe, tote Mädchen im Pool und Sommerdepression. Ulven klingt mit einem vergleichsweise offensiven Samt-Sound im Rücken wie ein imaginärer Abstecher der legendären Liz Phair in verschlungene Dream-Pop-Areale. Sehr betörend also.