Die neuen Folk-Alben von Madison Violet, Charlotte Cornfield und Glen Hansard.

CD-Tipps : Zwischen schwebend und wütend

Die neuen Folk-Alben von Madison Violet, Charlotte Cornfield und Glen Hansard.

Was das Genre Folk-Pop betrifft, haben Madison Violet in ihrer kanadischen Heimat als Duo lediglich Tegan & Sara vor, im Rest der Welt nur First Aid Kit (Schweden) und Lily & Madeleine (U.S.A.) neben sich. „Everything’s Shifting“ (BigLakeMusic/Rough Trade ✮✮✮✮) bietet das bewährte Programm auf vertrautem Terrain, klingt also abgeklärt und engagiert zugleich, durchweg melodisch attraktiv und rhythmisch gediegen. Natürlich wird auch wieder harmonieselig gesungen. Als überragend im feinen Repertoire erweisen sich zwei Stücke: Zum einen der Titel-Track, weil er den Ohr schmeichelnden Flow um entscheidende Nuancen wie Schärfe und Sendungsbewusstsein sprengt. Zum zweiten das den Reigen abschließende „Real Love“, weil es in seiner berückenden Intimität und Schlichtheit fester ans Herz greift als der Rest. Ja, „Real Love“, die wahre Liebe… Jeder sucht sie, und Fans von Brenley MacEachern und Lisa MacIsaak werden sie gewiss schon mal mit diesen elf neuen, schwebenden Liedern von Madison Violet finden.

Mit „Everything’s Shifting“ bringen die Kanadier von Madison Violet ein neues Album mit bewährtem Programm auf den Markt. Foto: Big Lake Music

Mit größerer Ernsthaftigkeit und auch Schwere aufgeladen sind die Songs von Charlotte Cornfield, ebenfalls Kanadierin. Ihre „Storm Clouds“ (Songtitel) werfen lange Schatten und werden schon jetzt mit den Weisen von Bob Dylan und Townes Van Zandt verglichen. Doch sachte, sachte, es müssen ja nicht gleich die Allergrößten sein… Tourneen im Vorprogramm von Anais Mitchell und Broken Social Scene taugen ja auch schon mal zur Visitenkarte. „The Shape Of Your Name“ (Next Door Records/H’Art ✮✮✮✮) beeindruckt mit Folk-Rustikalität, becirct mit Indie-Charme und feuert auch mal fokussierte Rock-Pfeile ab. Pop-Pfade werden kaum betreten, gleichwohl so manches hier auch melodisch zu betören weiß. Charlotte Cornfield’s selbstbewusster Vortrag zieht jedenfalls durchweg in den Bann.

„The Shape of Your NAme“ heißt das mit Schwere und großer Ernsthaftigkeit beladene Album der Kanadierin Charlotte Cornfield. Foto: Starkult
„This Wild Thing“ von Glen Hansard pendelt zwischen Wut, Verzagtheit und Versöhnlichkeit. Foto: ANTI

Mit dem Grammy-dotierten „Once“-Soundtrack hatte sich der Ire Glen Hansard vor 12 Jahren in die Herzen der Folk-Gemeinde gesungen. Für manchen war es der „emotionalste Musik-Film aller Zeiten“. Es heißt, die Entstehungsgeschichte von „This Wild Willing“ (ANTI ✮✮✮✮) war eine holprige, Umweg reiche… Am Ende wurden diese zwischen Wut, Verzagtheit und Versöhnlichkeit pendelnden Lieder überwiegend in Frankreich eingespielt. Immer wieder muten sie dem erwartungsvollen Hörer irritierende Facetten zu: sie schaben, zerfransen, geraten ins Schlingern. Selbst das zur ersten Single erkorene „I’ll Be You“ tut das. Nicht mit Vergnügen, eher aus dem Bedürfnis heraus das emotionale Chaos zu lichten… Ob da jeder seiner Verehrer noch mit kommt, ist fraglich. Mein ganz persönlicher Respekt für den Barden Glen Hansard ist mit „This Wild Willing“ wiederum beträchtlich gestiegen.

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