1. Leben
  2. Treff Region
  3. Musik

Die Band Sophia und der Musiker Citizen Tim haben neue Alben am Start

Neues von Sophia und Citizen Tim : Aus dem alltäglichen Leben

✮✮✮✮ Die Band Sophia und der Musiker Citizen Tim trotzen mit ihren neuen Alben der Krise.

Die Veröffentlichung des Sophia-Albums „Holding On/Letting Go“ (Flower Shop Recordings/Cargo) war für Robin Proper-Sheppard eine beschwerliche Geburt. Es war eigentlich alles perfekt vorbereitet und zu seiner vollsten Zufriedenheit, dann kam Corona. Die Folge: Das Album wurde gleich zwei Mal verschoben. Viel besser geworden ist die aktuelle Situation nicht wirklich: Die geplante Tournee wurde nach deren Verschiebung um einige Auftritte kleiner. Einnahmen aus Gagen und durch Verkauf von Fanartikeln fehlen ihm derzeit. Das hatte sich der sympathische Mann, den es von San Diego über Zwischenstationen in London und Brüssel mittlerweile nach Berlin verschlagen hat, anders vorgestellt. Aber leicht war der Weg für den früheren Frontmann der Alternative/Postrock-Band The God Machine selten.

Der jüngsten Ereignisse hatten logischerweise keinen Einfluss auf die Musik. Die hat sich aber verändert, denn die Band Sophia, neben Proper-Sheppard sind das Jesse Maes (Gitarre), Sander Vestraete (Bass, beide von Hyposchristmasstreefuzz), Teen Creeps-Mitglied Bert Vliegen (Keyboard) und Jeff Townsin (Schlagzeug), vollführt einen Spagat zwischen ihren Alternative Rock-Wurzeln, den Sänger-Songschreiber-Einflüssen und zeitgemäßem Indiepop. Dies macht der Auftakt „Strange Attractor“ unmissverständlich klar. Daneben gibt es klassische Sophia-Titeln wie „Wait (I‘m Sorry)“. Diesem wurde im Gegensatz zu früher jedoch schwermütig klingende Chorgesänge hinzugefügt. Proper-Sheppard hat an vielen kleinen Stellschrauben gedreht, um den Sound noch offener zu gestalten und den langjährigen Fans seines Bandprojekts ein neues Hörerlebnis zu präsentieren. Und davon gibt es auf „Holding On/Letting Go“ beispielsweise die Ballade „Alive“, das krachige „We See You (Taking Aim)“ und das eindringliche „Road Song“.

Sophia – „Holding on letting go“ Foto: Flower Shop Recordings/Cargo

Für Marco Kallenborn alias Citizen Tim war „C Is For Chaos/Control“ (Midsummer Records/Cargo) keine schwierige, aber auch eine mehrmonatige Geburt. Zirka ein Jahr hat der frisch gebackene Vater an den Liedern seines zweiten Soloalbums gearbeitet. Er konnte sich diese Zeit nehmen, da der Tüftler das Album zuhause schrieb, aufnahm, abmischte und fertigstellte.

Citizen Tim – „C is for chaos control“ Foto: Cargo

Es mag sicherlich Hörer geben, denen die nasale Stimme missfällt. Aber die ist eines der Alleinstellungsmerkmale von Citizen Tim. Er singt eben nicht so wie die hundert anderen Ex-Emorocker, die nun Singer-Songwriter sind. Er hat dieselbe musikalische Wandlung durchgemacht, aber ging seinen eigenen Weg. Er packt in seine Lieder Samples, spielt Synthesizer und bastelt Beats („Sad Barista Patterns“), greift zusätzlich zur Akustikgitarre zur E-Gitarre und erzeugt mit ihr flirrende Geräusche („Pandemic“) oder fährt zum Abschluss groß auf („The Eighth Color Of This Land“). Dazu singt er in der Ich-Perspektive über seine Familie und all das, was der 34-jährige Saarländer alltäglich beobachtet.