Birth Of Violence von Chelsea Wolfe und Lost Girls von Bat for Lashes

Neue Alben nach Pause : Rückbesinnung und Rückkehr

Chelsea Wolfe und Bat For Lashes präsentieren auf ihren neuen Alben Folk und 1980er-Jahre-Pop.

Dass ihre Musik mal mit Doom Metal assoziiert wurde, ist ihrem siebten Album „Birth Of Violence“ (Sargent House/Cargo ✮✮✮✮) nicht wirklich anzuhören. Was nicht heißen soll, die neuen Lieder der kalifornischen Singer-Songwriterin Chelsea Wolfe wären eine Quelle der guten Laune.

Mit ihrem langjährigen Partner Ben Chisholm, der bereits an einigen ihrer Alben mitgewirkt hat, sowie Jess Gowrie (Schlagzeug) und Ezra Buchla (Violine) hat sie sich jedoch auf ihre Folk-Wurzeln besonnen. Das trifft insbesondere auf die Stücke „Be All Things“, „Little Grave“ und „Highway“ zu, denen die gleiche Schwere wie ihren früheren Kompositionen innewohnt. Andere Songs schlagen eine Brücke zwischen ihren Doom Metal-Ausflügen und dem Gothic Folk von heute. Zu diesen härteren, über den Folk hinaus gehenden Songs zählen beispielsweise „Erde“ und „Deranged For Rock & Roll“. Aus dem Rahmen fällt „Preface To A Dream Play“, ein treibender, düsterer, mit Piano, Samples und Beats umgesetzter Song. Den Abschluss markiert das Naturhörspiel „Storm“; hier ist der Name Programm.

Foto: Cargo

Kurzum: Die Pause, die sich Wolfe nach der Veröffentlichung von „Hiss Spun“ und der anschließenden Tournee gönnte, um wieder zu sich selbst zu finden und den Album-Tour-Album-Tour-Kreislauf zu durchbrechen, war eine weise Entscheidung.

Auch der gebürtigen Engländerin Natasha Khan alias Bat For Lashes war nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums („The Bride“, 2016) nach einer Pause. Ihr Vertrag mit dem Major EMI war beendet, und sie zog von London nach Los Angeles um. Dort wollte sie Drehbücher und Soundtracks schreiben. Tatsächlich veröffentlichte sie – von der Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt – im letzten Jahr zusammen mit dem britischen Komponisten Dominik Scherrer den Soundtrack zu der BBC-Miniserie „Requiem“. Als sie dann – inspiriert von „E.T.“ und „Die Goonies“ – an einem Skript für einen 80er-Jahre-Kinder- und Vampirfilm arbeitete, wurde daraus kein Drehbuch, sondern das Album „Lost Girls“ (AWAL/RTD ✮✮✮✮).

Foto: RTD

Dass dieses einen starken Bezug zur Musik der Achtziger hat, sollte nicht überraschen – wobei der schon immer in ihren Liedern mitschwang. Auch nicht, dass die Songs eine gewisse Leichtigkeit versprühen. Den Song „Feel For You“ umbeschrieb die Künstlerin wie folgt: „Ich bin verliebt und es fühlt sich großartig an. Wir fahren einfach durch L.A. und es ist wunderschön.” Sie sagte auch, es gäbe auf „Lost Girls“ viele Songs, in denen sie nicht versuche, auf Kunst zu machen und die nicht tiefsinnig und vielschichtig sind. Dem Album mag es vielleicht an Tiefgang fehlen. Dafür ist es kurzweilig und verbindet in „Vampires“ eben jene Vampire mit romantisch-melancholischem 80er-Jahre-Pop inklusive seichtem Saxofon. Eine Kombination, die wohl nie wer für möglich gehalten hätte, stellte für die Exil-Britin kein Problem dar.