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Ben Watt, William Prince und Bill Fay mit neuen Alben

CD-Tipps : Melancholiker unter sich

Ben Watt, William Prince und Bill Fay schlagen auf ihren neuen Alben ruhige Töne an.

Erst der vierte Track des neuen Ben Watt-Albums weiß auf seine zurückgenommene Art vollends zu bezirzen. Insbesondere jene köstlichen Orgelschlieren sind es, die „Figures In The ­Landscape“ zu höheren Weihen führen. Die Rhythmus-Sektion agiert gezügelt, aber zielstrebig, höchste Dringlichkeit wird somit auf denkbar leisesten Sohlen erzeugt. Es ist magisch. Der Künstler singt hier mehr noch als sonst zum Steinerweichen. Der Rest von „Storm Damage“ (Unmade Road/Caroline ✮✮✮✮) kann dieses Niveau nicht halten, ist in seiner unaufgeregten, fein gewebten Art trotzdem gelungen. Das Werk ist der letzte Teil einer 2014 mit dem gefeierten „Hendra“ und 2016 mit „Fever Dream“ fortgesetzten Trilogie von Solo-Alben. Ben Watt gründete 1983 zusammen mit Ehefrau Tracey Thorn die wundersame Folk-Jazz-Combo Everything But The Girl. Klassischer Balladen-Pop dominiert heuer das Ben Watt-Repertoire, dem auch Alan Sparhawk von Low an der E-Gitarre und als Zweitstimme seinen Stempel aufdrückt. Melancholiker unter sich.

Foto: Starkult
Foto: Caroline

Dass es William Prince emotional richtig durchschüttelt, verraten die Songtitel. Hier „The Gun“ und „Wasted“, dort „Great Wide Open“ und „Lighthouse“ – und dazwischen „Heaven And Hell“. Nichtsdestotrotz präsentiert der Kanadier, der schon für Neil Young und Buffy Saint-Marie eröffnen durfte, seine Balladen auf gleichbleibend abgeklärte Americana-Art – sanft pulsierend, sanft geschrammelt, sanft gesungen. Langweilig wird es dennoch nie. Auf dem legendären Glitterhouse-Label tummelten sich einst etliche Barden ähnlicher Couleur: David Munyon, Larry Barrett, Terry Lee Hale, Jon Dee Graha Insider wissen jetzt, wie sie sich „Reliever“ (Glassnote Music/AWAL ✮✮✮✮) vorzustellen haben.

tr musik countless brances billy fay Foto: Cargo Records

Bill Fay’s neues Material bewahrt das ehrfürchtige, neugierige Gefühl seiner frühen Songs. Sie erinnern oft an Landschaften, alte und heilige Orte, während ihr Autor die Natur durchquert, um alles zu bestaunen“. So steht es auf dem Infozettel für die zehn kurzen Lieder von „Countless Branches“ (Dead Oceans/Cargo ✮✮✮✮✮). Es ist ein neues, höchst willkommenes Lebenszeichen jenes Mannes, der vor einem halben Jahrhundert trotz meisterlicher Folk-Kunst ohne Plattenvertrag dastand und sich in der Folge als Parkwächter und am Fließband verdingen musste. Die Nullerjahre feierten Fay’s Wiederentdeckung. Seither singt und spielt der Brite wieder. So karg und rein, verträumt und Herzergreifend klingt Altersweisheit – oder sagen wir ruhig: Altersmilde – selten.