"X-Men: Dark Phoenix" kommt ins Kino

Kino-Tipp : Die Frauen sind mal wieder die Retter

✮✮✮✮ „X-Men: Dark Phoenix“ von Simon Kinberg widmet sich der weiblichen Machterfahrung.

Die muntere Mutanten-Truppe der „X-Men“ verstand sich schon lange, bevor die Avengers aus marktwirtschaftlichen Gründen in die Team-Bildung gedrängt wurden, als Kollektivunternehmen. Nicht die übernatürlichen Kräfte des Einzelnen, sondern das Zusammenspiel aller Beteiligten stand hier stets im Zentrum der Erzählung. Das Gefühl für die eigenen Kräfte und deren verantwortungsbewusste Kontrolle ist im X-Men-Universum die wichtigste Herausforderung für die Mutanten. Das gilt auch und besonders für die neue Heldin Jean Grey (Sophie Turner), die von Charles Xavier (James McAvoy) als Härtefall in die Mutantenschule aufgenommen wurde und dort den Umgang mit ihren zerstörerischen Fähigkeiten gelernt hat.

Nach „Wonder Woman“ und „Captain Marvel“ steht nun also auch bei den „X-Men“ eine machtvolle weibliche Heldin im Zentrum. Dabei hat das Franchise die Quotenpolitik eigentlich weniger nötig als andere, denn wie Raven (Jennifer Lawrence) zu Beginn richtig feststellt: „Es sind immer die Frauen, die euch den Arsch retten. Es ist an der Zeit, den Laden in „X-Women“ umzubenennen“. Als die Mutanten ins Weltall ausrücken, um die Astronauten einer angeschlagenen Raumfähre zu retten, gerät Jean in einen ominösen Solarstrudel, dessen Feuersturm sie auf wundersame Weise überlebt. Aber danach hat sie sich selbst und ihre Kräfte nicht mehr im Griff. Anders als die Kolleginnen Wonder Woman und Captain Marvel, die als geradlinige, moralisch integre Heldinnen agieren, ist diese Dark Phoenix eine deutlich widersprüchlichere Frauenfigur, die sich lustvoll ihrem Machtrausch hingibt und daraus immer wieder verkatert aufwacht. Sophie Turner („Game of Thrones“) spielt ihre Figur als Getriebene, die eigene Kindheitstraumata aufarbeitet, mit den neu gewonnen Machtposition klar kommen und sich gegen außerirdische Vereinnahmung zur Wehr setzen muss.

Regisseur Simon Kinberg setzt in dieser „X-Men“-Folge mehr auf die inneren als auf die äußeren Kämpfe der Figur und auf die Konflikte, die sie im vorgefundenen weltlichen Machtgefüge auslöst.

„Dark Phoenix“ ist kein überstürzter Anbiederungsversuch an die Me-Too-Ära, sondern eine moderat feministische Fortschreibung der Comic-Saga. Hier werden keine eindimensionalen Power-Frau-Mythen beschworen, sondern weibliche Machterfahrung als interessantes und widersprüchliches Konfliktfeld ausgelotet.

USA 2019, 161 Min., Regie und Buch: Simon Kinberg; Kamera: Mauro Fiore; Musik: Hans Zimmer; Besetzung: Sophie Turner, Jennifer Lawrence, James Mc Avoy, Jessica Chastain, Michael Fassbender.

Mehr von Saarbrücker Zeitung