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„Willkommen in Marwen“ von Robert Zemeckis kommt in die Kinos

Kino-Tipp : Der Kampf im Barbie-Dorf gegen die Nazis

„Willkommen in Marwen“ von Robert Zemeckis: Mischung aus Real- und Animationsfilm.

Mark Hogancamp (Steve Carell) haust in einem etwas heruntergekommenen Bungalow, aber direkt vor seiner Tür im Vorgarten beginnt eine andere Welt.

Im Maßstab 1:6 steht hier ein kleines belgisches Dorf zur Zeit des Zweiten Weltkrieges: Ein paar Fachwerkhäuser, eine Kirche und eine Bar. Marwen nennt Mark seine Miniaturstadt, in der er mit Actionfiguren im Barbie-Format Szenen kreiert und fotografiert. Der amerikanische Pilot Hogie, dessen Puppengestalt Mark auffallend ähnlich sieht, erleidet in Marwen eine Bruchlandung und wird von einem Trupp SS-Offizieren gestellt. Aber ein paar Maschinengewehrsalven später hat eine Gruppe von Kampfamazonen den bösen Nazis den Garaus gemacht und lädt Hogie auf einen Drink in die Bar ein. Immer wieder in verschiedenen Variationen inszeniert Mark solche Sequenzen und versucht damit über eigene traumatische Erlebnisse hinweg zu kommen.

Hollywood-Veteran Robert Zemeckis („Forrest Gump“) erzählt in fiktionalisierter Form von wahren Begebenheiten. Am 8.April 2000 wurde Mark Hogencamp von fünf vermutlich rechts gerichteten Männern in Kingston, New York, zusammengeschlagen. Nach neuntägigem Koma hatte er sein Gedächtnis verloren und musste mühsam wieder gehen und sprechen lernen.

Zemeckis erzählt Hogencamps Story im Format eines typischen Hollywood-Dramas, das in der künstlerischen Arbeit Hogencamps eine kreatives Instrument zur psychischen Genesung des traumatisierten Helden sieht. Am Ende steht die vorherbestimmte Heilung, die es Hogencamp ermöglicht, öffentlich vor Gericht gegen seine Peiniger auszusagen und mit der Ausstellung seiner Fotografien gesellschaftliche Anerkennung zu erfahren.

Innerhalb des sehr konventionellen Erzählrahmens bietet „Willkommen in Marwen“ aber auch einige Momente unmittelbarer Nähe zu seinem Protagonisten, der sich selbst im Spiel als unverletzbaren Helden inszeniert und von beherzten Frauenfiguren retten lässt, welche allesamt Wiedergängerinnen im realen Leben Hogencamps haben. Leider bleibt Marks Schwäche für starke Frauen unter der unschlüssigen Regie nur ein illustrer Nebenschauplatz.

USA 2018, 116 Min., Camera Zwo (Sb); Regie: Robert Zemeckis; Buch: Zemeckis, Caroline Thompson; Kamera und Musik: C. Kim Miles; Besetzung: Steve Carell, Falk Hentschel, Matt O’Leary, Nikolai Witschl.