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„Vergiftete Wahrheit“ von Todd Haynes läuft ab sofort in den Kinos

Kinostart : Eine klassische David gegen Goliath-Geschichte

✮✮✮✮ Neu: „Vergiftete Wahrheit“ von Todd Haynes mit Mark Ruffalo als sturköpfiger Anwalt.

Farmer Tennant ist verwundert und erbost. Die genetischen Defekte, die seine Rinder entstellen und umbringen, sind keine Zufallserscheinungen. Seine Tiere sterben, weil auf dem Nachbargrundstück Chemiemüll entsorgt wird. Tennant hat die Missstände mit der Videokamera gefilmt und wähnt sich auf der sicheren Seite, als er Kontakt mit Anwalt Rob Bilott aufnimmt. Er ist als Juniorpartner bei einer mächtigen Kanzlei etatmäßig auf Seiten der Industrie tätig, aber als seine Großmutter von Farmer Tennant erzählt, reist Bilott nach West-Virginia. Tennants Videoarchiv beeindruckt ihn ebenso wie der Anblick eines angreifenden Bullen. Bilott holt sich die Erlaubnis seines Arbeitgebers ein und übernimmt den Fall gegen DuPont, eine der größten Chemiefirmen der USA.

Ein Artikel des New York Magazine liegt dem Politthriller zugrunde, der sich auf einen wahren Fall bezieht, der zur Mitte der 1990er Jahre seinen Anfang nahm und sich bis zum Urteil zwanzig Jahre hinzog. Es ist ein klassischer Kampf von David gegen Goliath. Der Kampf eines aufrechten, unerschrockenen Einzelnen, der die Rechte eines US-Bürgers gegen den Exzess des amerikanischen Lebensstils verteidigt. Der Film verdient sein Interesse damit, dass er auf klassisch zeitlose Weise in Szene gesetzt ist, was angesichts des Regisseurs Todd Haynes und dessen gewohntem Drang zu übersteigerter Formgebung keine Selbstverständlichkeit ist. Interessant ist auch die Besetzung der Anwaltsrolle durch Mark Ruffalo, der mit seiner gedrungenen Erscheinung gleichermaßen Mitleid erregt und selbstzerstörerische Sturköpfigkeit vermittelt. Und es gibt eine dritte Komponente, mit der dieser Film punkten kann, weil er über einen konkreten Fall hinaus Umweltverschmutzung anprangert, die keiner staatlicher Regulierung unterliegen. In der Ära Trump ist das ein löblicher Ansatz, der spannend unterhält und für Schulklassen und Fridays for Future-Begeisterte Anschauungsunterricht und Diskussionsstoff bietet.

USA 2019, 128 Min.; Filmhaus (Sb); Regie: T. Haynes; Buch: M. Correa, M. M. Carnahan; Besetzung: M. Ruffalo, A. Hathaway, T. Robbins.