„Verachtung“ von Christoffer Boe mit Nikolaj Lie Kaas - mit Trailer

Neue Verfilmung nach Adler Olsen : Krimi-Menü mit dem Knautsch-Ermittler

✮✮✮ „Verachtung“ von Christoffer Boe: Mørck, Assad und Rose in starker Form.

Bei Bauarbeiten in einer Kopenhagener Wohnung stoßen die Arbeiter auf einen Hohlraum. Sie brechen die Wand auf und stoßen auf ein Geheimzimmer. Hierin befindet sich ein Tisch, an dem drei mumifizierte Leichen sitzen, die alle gefesselt sind. Ein vierter Platz ist unbesetzt. Was auf den ersten Blick nach einer Kuriosität fürs Kriminalmuseum anmutet, weckt auf Anhieb das Interesse von Carl Mörck. Der Leiter des Sonderdezernats Q braucht dringend einen Fall, um die drohende Schließung seiner Abteilung abzuwenden, und um der Leere im eigenen Leben zu begegnen.

Außerdem bietet dieser neue Fall die letzte Gelegenheit, mit dem langjährigen Partner Assad zusammen zu arbeiten, bevor der zur besser bezahlten Sittenabteilung wechselt. Erste Ermittlungen ergeben, dass die Leichen im Geheimzimmer alle über ein zwischenzeitlich stillgelegtes Mädchenpensionat miteinander zu tun hatten, das sich auf einer Insel vor der Stadt befindet. Geschickt vertuschte Fälle von Missbrauch werfen ihre Schatten ins Hier und Jetzt zu einer Frauenklinik, die bis in höchste Kreise vernetzt ist.

Womit auch in der jüngsten Adaption eines Romans von Jussi Adler Olsen alle Rezepturen durchgespielt sind für ein skandinavisches Krimimenü mit psychisch schwer angeschlagenen Polizisten, Ekelmorden, dekadenten Eliten und Verschwörungstheorien. Zwei Stunden Spielzeit sind für so viel Konflikt- und Plotaufgebot ein guter Zeitrahmen, damit der jüngste (und vielleicht letzte) Mörck-Thriller mit dem verknautschten Nikolaj Lie Kaas und dem immer charismatischer werdenden Fares Fares seine Register ausspielen kann.

Erstmals bleiben dabei trotz ausgedehnter Rückblenden Tempo und Spannung straff, wobei es sich auszahlt, dass die bislang unterforderte Johanne Louise Schmidt als Q-Assistentin Rose nun aktiv in die Ermittlungen eingebunden wurde und in eine nervenaufreibende Kampfszene gerät. Sobald die Regie die Spannungsschrauben fester zieht, wird es richtig stickig. Der stilsichere Einsatz der Musik, die atmosphärisch ausgeleuchteten Großstadtkulissen und das messerscharfe Timing im Schnitt tragen dazu bei, dass hier ein starker Kinoappeal zum Tragen kommt, obwohl das Fernsehen maßgeblich die Finanzierung stemmte.

Im Gegenzug ist festzustellen, dass den Skandinavienreißern die Originalitätspunkte ausgehen. Es gibt zwischenzeitlich einfach zu viele dieser Filme. Umso mehr gibt es Grund zur Zufriedenheit, dass ein scheinbar abgenutztes Fahnderkonzept sich zu so starker Form aufschwingen konnte.

Dänemark/Deutschland 2019, 119 Min.; Regie: Christoffer Boe; Buch: Nikolaj Arcel, Bo Hr. Hansen, Mikkel Norgaard; Kamera: Jacob Moller; Musik: Anthony Lledo, Mikkel Maltha; Besetzung: Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Johanne Louise Schmidt, Soren Pilmark.

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