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„The Gentlemen“ von Guy Ritchie mit Matthew McConaughey, Hugh Grant und Colin Farrell

Gangsterkomödie : Ruhestand mit Hindernissen

✮✮✮ „The Gentlemen“ von Guy Ritchie: Gangsterkomödie mit gelungener Besetzung.

Mit der Low-Budget-Gangsterkomödie „Bube, Dame, König, Gras“ um mehrere rivalisierende Gaunerkollektive und einen Keller voller Marihuana-Pflanzen katapultierte sich der britische Regisseur Guy Ritchie 1999 in die internationalen Kinocharts. Mit „The Gentlemen“ kehrt der 51jährige Regisseur nun wieder zurück zu seinen Wurzeln. Wie einst in seinem Kinodebüt geht es auch hier um verschiedene Gangsterpersönlichkeiten, deren konkurrierendes Fehlverhalten einen verschlungenen Plot in Gang setzt.

Als Erzähler fungiert der Boulevard-Journalist Fletcher (Hugh Grant), der das Ergebnis seiner umfangreichen Recherchen für eine Erpressung des kriminellen Geschäftsmannes Mickey Pearson (Matthew McConaughey) nutzen will. Der betreibt in Allianz mit dem verarmten englischen Landadel auf deren verschuldeten Besitztümern unterirdische Cannabis-Plantagen und will das florierende Geschäft verkaufen. Aber die Verhandlungen mit dem geschmeidigen Geschäftsmann Matthew (Jeremy Strong) geraten ins Stocken, als der chinesische Heroin-Großhändler „Dry Eye“ (Henry Golding) sich in den Deal zu drängen versucht. Für weitere Verwirrung sorgt eine jugendliche Kampfsportgang in bunten Trainingsanzügen, die einen von Pearsons Standorten ausraubt und den gelungenen Coup als Youtube-Video postet. Natürlich haben sie keine Ahnung, mit wem sie sich angelegt haben, und ihr gutmütger Trainer (Colin Farrell) hat alle Hände voll zu tun, um den Schaden wiedergutzumachen.

Mit viel Liebe zum narrativen Detail entwirft Ritchie seinen verschlungenen Plot, der über unvollständige Rückblenden aus der Sicht eines unzuverlässigen Erzählers langsam Gestalt annimmt. Dabei findet Ritchie sein altes Gespür für herzhaft krude Gangster-Dialoge wieder, die durch Schlagfertigkeit und die hohe Dichte an Kraftausdrücken eine ganz eigene Poesie entwickeln.

Gelungen ist jedoch vor allem die Besetzung des illustren Figuren-Arsenals: Hugh Grant wurde als schmieriger Journalist hinreißend gegen den Strich gecastet, Colin Farrell entwickelt sich als loyaler Box-Trainer, der alles für seine unterprivilegierten Jungs tut, zur moralischen Instanz im Sumpf des Verbrechens. Mit sanft ironischem Blick fächert Ritchie das Typen-Spektrum der konkurrierenden Alphamänner auf. Kein großes Kino, aber eine unterhaltsame Fingerübung eines versierten Regisseurs.

USA 2019; 113 min; Regie und Buch: Guy Ritchie; Kamera: Alan Stewart; Besetzung: Matthew McConaughey, Hugh Grant, Colin Farrell