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„Sibyl“ von Justine Triet ist eine Kinodelikatesse für Erwachsene

Neu im Kino : Amouröse Verwicklungen voller Sinnlichkeit

✮✮✮✮ Neu: „Sibyl“ von Justine Triet: Eine außergewöhnliche Kinodelikatesse für Erwachsene.

Sibyl – Psychiaterin, Ehefrau und Mutter – steckt mit Mitte 30 in der Krise. Spontan hängt sie den Beruf an den Nagel, um wieder Schriftstellerin zu werden. Eine letzte Patientin aber nimmt sie auf, weil die ihr professionelles Interesse weckt. Margot ist Schauspielerin, mit einem Star liiert und ungewollt schwanger. Sibyl schreibt alles für ihr neues Buch auf.

Ein schickes Figurenkabinett am Rande des Nervenzusammenbruchs kommt in der neuen (nach „Victoria – Männer & andere Missgeschicke“ von 2016) Zusammenarbeit zwischen Filmautorin Justine Triet und Hauptdarstellerin Virginie Efira zusammen. Das treibt den Unterhaltungswert ebenso hoch wie die aufregend sinnliche Bildgebung und die Besetzung der weiteren tragenden Rollen.

Herausfordernd ist auch das Geflecht der Zeit- und Handlungsebenen zwischen gestern und heute, Traum und Wirklichkeit, das erst zur Hälfte der Spielzeit eine präzise Orientierung erlaubt. Vor allem ist dies aber ein Triumph für Virginie Efira, die in der Hauptrolle delikate Körperlichkeit in den Liebesszenen ebenso gekonnt auszugestalten weiß wie die nuancierten Gefühlslagen der Heldin. In einer Szene zeigt sie in stufenlosen Übergängen das ganze dramatische Emotions-
spektrum.

Der komödiantische Aspekt, mit dem der Film auch beworben wird, erfüllt sich am ehesten in den Szenen eines Films im Film. Es geht um Dreharbeiten im Zeichen komplexer amouröser Verwicklungen, wobei im Zentrum Sandra Hüller mit gewohnt kalten Augen die zusehends entnervte Dompteuse der Eitelkeiten gibt.

Die Freigabe von „Sibyl“ ab zwölf Jahren entzieht sich jeder Logik. Dieser Film ist eine Kinodelikatesse für Erwachsene.

F/Bel 2019, 101 Min., Camera Zwo (Sb); Regie: Justine Triet; Buch: Triet, Arthur Harari; Kamera: Simon Beaufils; Besetzung: Virginie Efira, Adèle Exarchopoulos, Sandra Hüller, Gaspard Ulliel.