Regisseurin Mischa Kamp überzeugt mit ihrem neuen Film "Romys Salon"

Neu im Kino : Eine wunderbare Reise zurück in die Kindheit

✮✮✮✮✮ „Romys Salon“ von Mischa Kamp: Komisch und traurig wie das Leben selbst.

Romy und ihre Oma Stine sind alles andere als Freundinnen. Eigentlich kennen sie sich kaum, auch wenn sie nur ein paar hundert Meter entfernt von einander in einer niederländischen Kleinstadt wohnen. Erst als Stine entdeckt, dass Romy ihr bei der Arbeit helfen kann, freunden sich Oma und Enkelin richtig an.

Romys Unterstützung ist bitter nötig, denn Stine wird immer vergesslicher und ihr Verhalten immer merkwürdiger: Bald werden die Beiden zu Verbündeten, und es gelingt ihnen mit vereinten Kräften, Stines Ausfälle vor anderen zu verbergen. Doch Stines Zustand verschlechtert sich rapide und schließlich muss sie ihren Salon aufgeben und zieht in ein Heim für Demenzkranke, wo es ihr nicht gut geht. Romy beschließt kurzerhand, Oma Stine zu entführen und ihr einen großen Traum zu erfüllen: die Reise zurück in die Kindheit, nach Dänemark.

Die niederländische Autorin Tamara Bos erzählt sowohl den Roman „Romys Salon“ als auch den Film, für den sie selbst das Drehbuch schrieb, konsequent aus Sicht des Kindes. Anders als der thematisch verwandte Film „Honig im Kopf“ kommen Regisseurin Mischa Kamp und ihre Autorin ganz ohne Rührseligkeit und Zuckerguss aus. Stattdessen setzen sie auf Leichtigkeit und Sensibilität. Diese Dramödie ist genauso komisch und traurig wie das Leben selbst.

Die Ko-Produktion kann nicht mit Stars aufwarten. Aber die Besetzung, die unter der Regie von Mischa Kamp eine außergewöhnlich gute Ensembleleistung zeigt, bringt alles mit, um mit Vater und Tochter Schweiger, Dieter Hallervorden & Co. aus deren Demenzfilm mitzuhalten. Dass die Grundstimmung des Films weitgehend leise und ruhig bleibt, obwohl die Entwicklung dramatisch ist, macht die Geschichte umso glaubwürdiger und vielleicht noch einen Tick liebenswerter. So wird auch die unerwartete Wendung – Romy entführt die Oma aus dem Pflegeheim – beinahe realistisch in ihrer Tragikomik. Wenn Romy mit ihrer Oma im Lastwagen nach Dänemark trampt, ist das nicht nur ein wagemutiges Abenteuer, sondern für beide die letzte Möglichkeit, Zeit miteinander zu verbringen.

Deutschland/Niederlande 2019,
90 Min., Filmhaus (Sb); Regie: Mischa Kamp; Buch:Tamara Bos; Kamera: Melle van Essen; Musik: Jacob Meijer. Alexander Reumers; Besetzung: Vita Heijmen, Beppie Melissen, Noortje Herlaar, Guido Pollemans.