"La Gomera" ist ein „Film Noir“ über einen korrupten Polizisten.

La Gomera : Die alte Pfeifsprache soll es richten

„La Gomera“ von Corneliu Porumboiu: „Film Noir“ über einen korrupten Polizisten.

Zum Genre des sogenannten „Film Noir“ zählt man klassischerweise Kultwerke wie „Die Spur des Falken“ von John Huston, „Laura“ von Otto Preminger, „Frau ohne Gewissen“ von Billy Wilder, Carol Reeds „Der dritte Mann“ oder „Out of the Past“ mit einem ungemein coolen Robert Mitchum in der Hauptrolle. Ohne Unterlass Zigaretten rauchende, schweigsame Männer, korrupte Polizisten, gefährliche, kaum zu durchschauende Femme Fatales, dunkle Gassen und viel Regen: Neben anderen sind dies sind nur ein paar der Merkmale, die das Genre des klassischen, vor allem US-amerikanischen Film Noir ausmachen. Nun verneigt sich der Rumäne Corneliu Porumboiu in seinem Film „La Gomera“ (noch ohne Wertung) vor eben dieser Film-Gattung.

Der renommierte Regisseur (er drehte Filme wie „12:08 – Jenseits von Bukarest“, „Police, Adjective“ oder „Der Schatz“) hat dazu Schauspieler wie Vlad Ivanov („Toni Erdmann“) als korrupten Polizisten, Catrinel Marlon als Gangsterbraut sowie Sabin Tambrea („Ku’damm 59“) als Bösewicht um sich gescharrt. In seinem 97-Minüter, welcher 2019 seine Uraufführung beim 72. Filmfestival von Cannes feierte, nimmt uns Porumboiu mit auf die Kanareninsel La Gomera.

Dort will Cristi (Vlad Ivanov), der korrupte Polizeibeamte aus Bukarest, eine alte Pfeifsprache der Inselbewohner erlernen – um fortan ungestört und unüberwacht mit seinen kriminellen Kontakten kommunizieren zu können. Zuvor schon hatte sich dieser Cristi, dem die Ermittler stets an den Fersen haften, mit dem organisierten Verbrechen eingelassen.

Mit Hilfe der Pfeifensprache wollen Cristiund die Gaunerbande den Matratzenfabrikanten Zsolt (Sabin Tambrea) aus dem Gefängnis befreien, denn der ist der einzige, der weiß, wo die 30 Millionen des letzten Coups versteckt sind. Doch alle Beteiligten spielen ein doppeltes Spiel und bald geraten die Ereignisse außer Kontrolle. Und so kann man eigentlich niemandem so recht vertrauen in dieser rumänisch-französisch-deutsch-schwedischen Koproduktion.

„Ich wollte eine Geschichte mit Figuren erzählen, die lügen, die ein doppeltes Spiel spielen“, erklärt Regisseur Porumboiu. Und über seine Hauptfigur sagt er: „Cristi glaubt nicht mehr an seine Berufung. Er beginnt, mit der Mafia zu arbeiten und Geld mit Drogenschmuggel zu verdienen.“ Er sei ein Mensch, der seinen Glauben verloren habe, in seinem Beruf, in seinem Privatleben. Und er suche nach einem Ausweg aus der Sackgasse, als er nach La Gomera kommt. „Als Polizeibeamter ist er Teil der Machtstruktur, aber relativ schnell findet er sich in einem Wirbelsturm der Ereignisse wieder, über die er keinerlei Kontrolle hat.“

Rumänien/Frankreich/Deutschland 2019, Filmhaus (Sb); Regie und Buch: Corneliu Porumboiu; Kamera: Tudor Mircea; Besetzung: Vlad Ivanov, Catrinel Marlon, Rodica Lazar, Antonio Buil, Agusti Villaronga.