Kritik zu „The Good Liar – Das alte Böse“ von Bill Condon mit Trailer

Mit Helen Mirren und Ian McKellen : Ein Fall von grober Talentverschwendung

✮✮ „The Good Liar – Das alte Böse“ von Bill Condon: Starke Besetzung, schwache Geschichte.

Wenn die Namen Helen Mirren und Ian McKellen zusammen auf einem Filmplakat stehen, ist die Kinokarte schon so gut wie gekauft. Die große Dame und der erfahrene Veteran des britischen Kinos standen noch nie vereint vor der Kamera und geben sich nun in Bill Condons „The Good Liar“ die Ehre. Roy (McKellen) und Betty (Mirren) lernen einander auf einer Dating-Plattform für ältere Semester kennen. Dass sie es beide mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, erkennt man schon in den ersten Filmminuten. Aber wer hält sich bei der Online-Partnersuche schon an die Wahrheit?

Beim ersten Treffen in einer Bar stellt Roy dann auch klar, dass er eigentlich eine ehrliche Haut sei, und auch Betty gibt ein paar Flunkereien zu. Aber wie sich bald herausstellt, ist der charmante alte Herr ein professioneller Betrüger. Mit seinem Komplizen Vincent (Jim Carter) haut er gut betuchte Anleger mit fingierten Investmentfonds übers Ohr und auch in der ehemaligen Oxford-Dozentin mit dem blitzblankem Eigenheim am Rande Londons sieht Roy eine lukrative Einkommensquelle.

So sehr man sich auch über den gemeinsamen Leinwandauftritt von Mirren und McKellen freuen mag, ist gerade die Besetzung das größte Problem dieses Kriminalthrillers. Kein Mensch würde eine Vollblutschauspielerin wie Helen Mirren als naive Witwe unter Vertrag nehmen und so dürfte es selbst für unausgeruhte Zuschauer keine Überraschung sein, dass die harmlose Betty noch das ein oder andere As im Ärmel hat.

Auf geradezu dysfunktionale Weise baut Condon seinen vorhersehbaren Spannungsbogen auf eine Enthüllung auf, deren Spuren im dahin plättschernden Geschehen keineswegs unauffällig verlegt wurden. Wenn der Film dann im Rahmen einer Berlin-Reise sein Kaninchen aus dem Hut zaubert und dafür sogar eine Rückblende in den Zweiten Weltkrieg bemüht, sackt die Story in sich zusammen wie ein aufgeschlitztes Wasserbett. Wer hätte gedacht, dass man mit zwei solch großartigen Schauspielern einen derart entbehrlichen Film machen kann? Condons „The Good Liar“ ist ein klarer Fall von grober Talentverschwendung, gegenüber dem selbst Kaliber wie Mirren und McKellen machtlos erscheinen.

USA 2019, 110 Min.; Camera Zwo (Sb); Regie: Bill Condon; Buch: Jeffrey Hatcher; Kamera: Tobias A. Schliessler; Musik: Carter Burwell; Besetzung: Helen Mirren, Ian McKellen, Johannes Haukur Johannesson, Jim Carter.