Kritik zu "Land des Honigs“ von Ljubomir Stefanov und Tamara Kotevska

Von der Ausbeutung der Natur : Von wilden Bienen und der Axt im Walde

✮✮✮✮ „Land des Honigs“ von Ljubomir Stefanov und Tamara Kotevska aus Mazedonien.

Nordmazedonien liegt in Europa, und es ist ein Land, wo auch Filme gedreht werden. Wie gut und modern das gelingen kann, darf seit letzter Woche mit „Gott existiert, ihr Name ist Petrunya“ erlebt werden. Das ist Kino am Puls der Zeit.

Eine ganz andere Erfahrung beschert das Regieduo Tamara Kotevska und Ljubomir Stefanov mit einem vorgeblichen Dokumentarfilm, der vom Leben der Bienenjägerin Hatidze erzählt. Die Frau ist 52, lebt in einem ansonsten verlassenen Tal mit ihrer bettlägerigen greisen Mutter, die sie geduldig bekocht und pflegt, wenn sie nicht unterwegs ist, um Bienenvölker aus Felsenritzen zu pflücken und deren Honigertrag nach sorgsamer Gütertrennung in der Stadt zu verkaufen, wohin sie sich zu Zeiten zu Fuß auf den Weg macht.

Es gibt allerlei Vagheiten im erzählerischen Fluss dieses Films. Zuweisung zu Zeit oder Ort bleiben ebenso außen vor wie ein tieferes Interesse für den handwerklichen Umgang der Frau mit den Bienen. Sie kann es eben.

Das eigentliche Interesse der Filmemacher offenbart sich nach einer knappen halben Stunde mit der Ankunft einer Nomadenfamilie (Türken, wie Hatidze einmal vermutet), die sich direkt neben Hatidzes Behausung niederlässt und sich zunächst mit der Rinderzucht versucht und sich dann der Imkerei zuwendet. Denn so viel haben die Neulinge schnell begriffen. Man kann mit Honig Geld machen und die Bienen liefern stets fleißig zu.

Man muss gewisse Täler der Fassungslosigkeit durchwaten angesichts der naiven Brutalität, mit der die Nomadenfamilie als erklärte Antagonisten sich buchstäblich wie die Axt im Walde aufführen. Für diese Leute ist Natur ein Selbstbedienungsladen, den man ausbeutet, bis es nichts mehr zu holen gibt. Dann zieht man weiter; im Kielwasser jede Menge verbrannte oder zerschundene Natur.

Auf dem Sundance Festival kam das im Januar gut an. Der Film steht in der Tradition der esoterisch verklärten Tibetfilme in den 90ern und der mongolischen Jurtenromantik europäischer Prägung zehn Jahre danach. Der Kernkonflikt hat Kraft, aber im Blick aufs Belanglose scheint die Geduld der Kamera grenzenlos.

Mazedonien 2019, 90 Min., Filmhaus (Sb); Regie und Buch: Ljubomir Stefanov, Tamara Kotevska; Kamera: Fejmi Daut, Samir Ljuma; Musik: Foltin.