Kritik zu I am Mother von Grant Sputore - mit Trailer

Dystopie mit Hilary Swank : Ein Roboter als die letzte Mutter auf der Welt

✮✮✮ „I am Mother“ von Grant Sputore: Sci-Fi-Thriller mit Schwächen aber super Besetzung.

Am Ende war das Licht. Einen Tag später beginnt die neue Zukunft der menschlichen Spezies; sie weiß es nur noch nicht. In einer wissenschaftlichen Einrichtung, die hermetisch zur Außenwelt abgeriegelt ist, beginnt Mutter ihr Werk. Der Roboter mit LED-Mimik wird ein Kind groß ziehen. Mutter und Tochter, das Mädchen besitzt keinen eigenen Namen, sind buchstäblich ein Chip und eine Seele. Nur wenn Tochter sich zur Schleuse nach draußen begibt, wird Mutter streng. Und tatsächlich verraten Klopfzeichen eines Tages, dass es jemanden gibt, der vor dem Tor existieren konnte und nun um Einlass bittet. Tochter öffnet die Schleuse, und so kommt die Frau ins Spiel und sie hat erschreckende Nachrichten zu vermelden.

Ein Roboter, der aussieht wie Nr. 5; das führt geradewegs zurück ins Kino der 80er Jahre. Ein Elektronengehirn mit zumindest vordergründiger Bereitschaft zu lernen und sich mit philosophischen Grundsatzfragen auseinanderzusetzen, das trifft auf HAL-9000 in Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ ebenso zu wie auf die Bombe in John Carpenters „Finsterer Stern“. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass die Maschine gar nicht so individuell ausgestattet ist, wie sie vorgibt zu sein, dass sie einfach bloß einen Kernbefehl ausführt. Wie ist im Vergleich zu all dem Mutter 2019 einzuordnen?

Das Debüt des Kreativteams Grant Sputore (Regie) und David Lloyd Green (Drehbuch) zögert die Antwort auf diese Frage und damit die Pointe seines Films weit hinaus und überdreht die Schraube der Plausibilität mindestens ebenso wie jene für die Spannung. Was auch fürs Spiel mit den Details gilt, die Cleverness offenbaren sollen, eher aber Unzulänglichkeiten aufzeigen, durch die das erzählerische Gesamtgebäude immer wieder an den Rand des Einsturzes gerät. Interessanter ist die Inszenierung, die das technokratisch pragmatische Ambiente mit den sterilen Kammern und Korridoren als Irrgarten anlegt, in dem der Zuschauer bis zuletzt ohne Orientierung bleibt. Fantastisch ist Clara Rugaard, die als heranwachsende Tochter entweder mit einer Maschine agieren muss oder mit der zweifachen Oscar-Preisträgerin Hilary Swank, die sich wild-sinnlich in einen leidensreichen Konflikt mit Mutter stürzt. Großes Kino sollte nicht erwartet werden; dafür fehlt es hier an Geld und Erfahrung. 

Australien 2019, 114 Min.; Regie: Grant Sputore; Buch: Michael Lloyd Green; Kamera: Steve Annis; Musik: Dan Luscombe, Antony Partos; Besetzung: Clara Rugaard, Hilary Swank, Tahlia Sturzaker.

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