Kritik zu „Ein Becken voller Männer“ von Gilles Lellouche - mit Trailer

Kriselnde Männerseelen im Wasser : Im Wasser wird auch die Seele leichter

✮✮✮✮ „Ein Becken voller Männer“ von Gilles Lellouche kommt viel zu harmonieselig daher.

Männersynchronschwimmen erfreut sich im Kino in den letzten Jahren einer erhöhten Beliebtheit. Nach der schwedischen Komödie „Männer im Wasser“ von Måns Herngren und „Swimming With Men“ des Briten Oliver Parker, haben nun auch die Franzosen mit Gilles Lellouches „Ein Becken voller Männer“ Witterung am Sujet aufgenommen.

Die Faszination der Filmemacher für das Männersynchronschwimmen liegt auf der Hand. Die Sportdisziplin wird vornehmlich von Frauen betrieben und wenn Männer in diese weibliche Domäne hineingeworfen werden, setzt das – so hofft man – automatisch komische Effekte frei. Außerdem ist das Schwimmbad per se ein cinegener Ort. Das türkisblaue Becken, die glitzernde Wasseroberfläche, die funktionale Architektur und die gleitenden Bewegungen der Schwimmer sind bestes Optikfutter für die große Leinwand.

Ähnlich wie Oliver Parker nutzt auch Lellouche den Erzählrahmen, um kriselnde Männerseelen im Wasser zusammen zu führen. Bertrand (Mathieu Amalric) leidet an Depressionen und ist seit zwei Jahren arbeitslos. Er schließt sich einer Gruppe von Synchronschwimmern an und spürt schon bald, dass er nicht der Einzige ist, der sein Leben nicht in den Griff bekommt. Der Vorarbeiter Laurent (Guillaume Canet) neigt zu cholerischem Auftreten. Der Swimming-Pool-Verkäufer Marcus (Benôit Poelvoorde) steht vor der Pleite. Der Kantinenangestellte Simon (Jean-Huhues Anglade) haust in einem Wohnmobil und hängt seinen Rockstarträumen hinterher. Bademeister Thierry (Philippe Katerine) leidet unter Missbrauchserfahrungen.

Ein breites Spektrum an maskulinen Identitätsstörungen wird in der Gruppe offenbar. Jeder ist auf seine Weise aus der Bahn geraten und kann die eigenen wie die gesellschaftlichen Ansprüchen des Mannseins nicht erfüllen. Aber beim gemeinsamen Formationsschwimmen im Wasser wird nicht nur der Körper, sondern auch die Seele leichter. In „Ein Becken voller Männer“ errichtet Lellouche eine durchaus interessante Figurenaufstellung. Aber die sozialen und psychologischen Problemstellungen werden hier kaum vertieft, um den Feel-Good-Charakter der Angelegenheit nicht zu gefährden. Dabei läge gerade im Ausloten der Charaktere und deren interaktiven Dynamik das eigentliche komödiantische Potenzial der Geschichte, die sich allzu ängstlich und viel zu früh in die Harmonisierung flüchtet.

Frankreich/Belgien 2018, 122 Min.; Camera Zwo (Sb); Regie und Buch: Gilles Lellouche; Kamera: Laurent Tangy; Musik: Jon Brion; Besertzung: Mathieu Amalric, Guillaume Canet, Benoit Poelvoorde, Jean-Hughes Anglade, Virginie Efira.

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