Kritik zu „Die schönste Zeit unseres Lebens“ von Nicolas Bedos - mit Trailer

Mit Daniel Auteuil und Guillaume Canet : Originelle Ideen, erfrischende Intelligenz

✮✮✮✮ „Die schönste Zeit unseres Lebens“ von Nicolas Bedos: Ein cineastisches Vergnügen.

Victor (Daniel Auteuil) ist um die 60 und blickt mit Verachtung auf die moderne Welt. Der ehemalige Karikaturist begreift sich als Abgehängter des digitalen Zeitalters und ist stolz darauf. Scharfsinnig und verbittert argumentiert der bekennende Offliner gegen die Errungenschaften der Kommunikationstechnologie – und geht seiner Frau Marianne (Fanny Ardant) gehörig auf die Nerven. Die Psychoanalytikerin ist voll am Puls der Zeit und will von dem nostalgischen Genörgel ihres Mannes nichts mehr hören. Schließlich setzt sie den Miesepeter nach 45 Ehejahren vor die Tür.

Da erinnert sich Victor an einen Gutschein, den er von seinem Sohn zum Geburtstag bekommen hat. Dessen Freund Antoine (Guillaume Canet) ist ein erfolgreicher Zeitreiseveranstalter. Gegen teures Geld kann sich die Kundschaft in eine Vergangenheit ihrer Wahl zurückversetzen lassen und Victor wählt sofort den 16. Mai 1974, wo er seine Frau im Café „La Belle Époque“ kennenlernte. Für die Rolle der jungen Marianne engagiert Antoine seine On-Off-Freundin Margot (Doria Tellier), die eigentlich genug von seinen manipulativen Beziehungsspielen hat. Aber als 70er-Jahre-Reinkarnation weiß sie Victor zu überzeugen.

Mit „Die schönste Zeit unseres Lebens“ entwirft Regisseur und Drehbuchautor Nicolas Bedos einen Zeitreisefilm der besonderen Art. Anders etwa als in „Truman Show“ wird die Illusion hier stetig gebrochen, weil sich die Figuren auf der Leinwand selbst der künstlich hergestellten Realität bewusst sind. Victors Sehnsucht nach der guten, alten Zeit ist mehr als eine nostalgische Verklärung. Dahinter steht die Suche nach der großen, verlorenen Liebe. Aber „Die schönste Zeit meines Lebens“ ist mehr als eine romantische Komödie für die Baby-Boomer-Generation. Verklärte Vergangenheit und moderne Gegenwart stehen hier dank eines verwinkelten Drehbuchs im produktiven Streit miteinander und so hat der Film zum romantischen Unverständnis zwischen Männern und Frauen genauso viel zu sagen wie zum Generationskonflikt zwischen Digital Natives und analogen Dinosauriern. Die schnellen, klugen und gepfefferten Dialoge treffen hier auf ein Ensemble in bester Spiellaune. Endlich einmal eine französischen Komödie, die sich nicht an den Boulevard-Konzepten von Monsieur Claude & Co orientiert, sondern mit eigenen, originellen Ideen, erfrischender Intelligenz und cineastischem Vergnügen zu Werke geht.

Frankreich 2019, 110 Min., Camera Zwo (Sb); Regie und Buch: Nicolas Bedos; Kamera: Nicolas Bolduc; Musik: Anne-Sophie Versnaeyen; Besetzung: Daniel Auteuil, Guillaume Canet, Doria Tillier, Fanny Ardant.