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Kritik zu „Die Känguru-Chroniken“ von Dani Levy - mit Trailer

Film-Kritik : Eine ungewöhnliche Freundschaft

✮✮✮ „Die Känguru-Chroniken“ von Dani Levy: Moderat unterhaltsame Kleinkunst-Veranstaltung.

Als das Känguru an der Wohnungstür klingelte, um Eier und Mehl auszuleihen und schließlich auch Herd, Küche sowie die ganze Wohnung in Beschlag zu nehmen, war das der Beginn einer langen, tiefen Freundschaft. Nicht nur für den überraschend wenig überraschten Nachbarn, dem Marc Uwe Kling seine Erzählerstimme verlieh, sondern auch für zahllose Leser und Hörbuch-Fans, die dem animalisch-satirischen Werk schon bald Kultstatus zusprachen. Es begann als Radio-Podcast und weitete sich zu einem vierbändigen Gesamtwerk aus, dessen erster Teil mittlerweile in 21 Auflagen erscheinen ist.

In den Zwiegesprächen zwischen dem vorlauten kommunistischen Känguru und dem etwas antriebsarmen Kabarettisten, der nicht Kleinkünstler genannt werden will, werden Gesellschaftskritik, Sozialphilosophie, popkulturelle Referenzen munter mit flapsigem Humor und einem ausgeprägten Sinn fürs Groteske vermischt. Die pointierten Episoden unterhalten ergraute Altlinke genauso wie Studenten-WGs und Kinder, die sich dem Charme des schlagfertigen Beuteltiers nicht entziehen können, auch wenn sie vielleicht nicht jede Anspielung verstehen.

Nun bringt Dani Levy die „Känguru Chroniken“ auf die Leinwand. Das ist eine naheliegende Idee. Nicht nur weil im deutschen Kino kein Bestseller ungeschoren davon kommt, sondern auch weil Kling sich in seinen Känguru-Episoden immer wieder im Kino-Diskurs verortet hat. Verweise auf Star-Wars oder die Omnipräsent eines Daniel Brühl im heimischen Filmschaffen, gehörten seit jeher zu Klings satirischem Fundus.

Aber Levys Adaption zeigt, dass eine naheliegende, nicht zwingend die beste Idee sein muss. Die Vorlage lebt von der Spannung zwischen dem tiefenentspannten, selbstironischen Erzähler und dem schlagfertigen, linksradikalen Känguru. Natürlich kommt Levy nicht umhin den Erzähler in eine Filmfigur zu verwandeln, wobei dessen lakonische Gedankenwelt auf der Strecke bleibt. Der Einfall ein Känguru vollkommen selbstverständlich als neuen Mitbewohner aufzunehmen, ist in Schriftform wunderbar schräg, aber die Materialisierung des Tiers auf der Leinwand will genau in dieser Selbstverständlichkeit nicht funktionieren. Auch die Handlung, die vom Kampf der Kreuzberger Hausgemeinschaft gegen einen rechtspopulitischen Immobilienmogul und seine Neonazi-Schläger wirkt eher bemüht als lustig und kann mit der genial mäandernden Qualität von Klings Episoden einfach nicht mithalten.

Auf der Leinwand mutieren die geliebten „Känguru-Chroniken“ dann doch eher zu einer gemäßigt anarchistischen, moderat unterhaltsamen Kleinkunst-Veranstaltung.

D 2020; 92 Min.; Regie: Dani Levy; Buch: Marc-Uwe Kling, Dany Levi; Kamera: Filip Zumbrunn, Kalle Klein; Besetzung: Dimitrij Schaad, Rosalie Thomass, Adnan Maral