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Kritik zu Der König der Löwen - mit Trailer

Realverfilmung : Diese Story ist bester Savannen-Shakespeare

✮✮✮ „Der König der Löwen“ von Jon Favreau: Ein technisch überzeugender, aber auch mutloser Disney-Film.

„Wir sind alle Teil des Lebenskreislaufes“ so lehrt der Löwenvater den Sohn. Die Raubkatze, die die Antilope frisst, wird nach ihrem Tod zu Staub, aus dem heraus das Gras wächst, welches der Antilope als Nahrung dient. Mit solchen Verwertungsketten kennt man sich im Hause Disney gut aus. Mit der neuesten Recycling-Technik werden gerade die alten Zeichentrick-Klassiker des Konzerns fotorealistisch reanimiert.

Nach „Dschungelbuch“ und „Dumbo“ folgt nun mit „König der Löwen“, dessen Original aus dem Jahre 1994 zu den erfolgreichsten Werken des Studios gehört. Die dramatische Geschichte des Löwenprinzen, der nach dem Tod des Vaters von Schuldkomplexen getrieben ins Exil geht, um später seine Verantwortung zu erkennen und den fiesen Onkel vom Thron zu stürzen, ist ja allerbester Savannen-Shakespeare.

 Vater Mufasa und Sohn Simba halten gemeinsam Ausschau.
Vater Mufasa und Sohn Simba halten gemeinsam Ausschau. Foto: 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Wenn sich der Vorhang zum Remake öffnet und die Kamera durch die afrikanische Fauna und Flora schwebt, ist man zum Staunen verdammt. Es dauert nur wenige Minuten, bis man akzeptiert, dass man sich hier nicht in einer zoologischen Dokumentation befindet, sondern in einer fiktiven Welt, in der die vollkommen echt aussehenden Tiere auch sprechen und singen können.

Faszinierend wie bruchlos hier Mimik und Bewegungsabläufe der Tiere digital imitiert und zu funktionierenden Filmcharakteren geformt werden. Es ist eine Sache ein Löwenjunges artgerecht beim Herumtollen zu animieren, eine andere dem Tier dabei auch eine Seele einzuhauchen.

Beides gelingt Regisseur Jon Favreau („Dschungelbuch“) auf frappierende Weise bei fast allen Charakteren. Die Mischung aus Charakterstück und digitalem Überwältigungskino funktioniert reibungslos. Aber auch wenn dieses Remake mit seiner technischen Präzision, den tierischen Charakteren und dem hochdramatischen Output vollkommen überzeugt, bleibt im Abgang ein fader Nachgeschmack. Denn tief in seinem Herzen ist dieser „König der Löwen“ eben auch ein sehr mutloser Film, der sich fest an seine Vorlage klammert, aus Angst deren Fans zu enttäuschen.

Hier fehlt es deutlich am Willen den bekannten und beliebten Stoff über die technische Innovation hinaus neu zu interpretieren. Und das ist das Resultat einer Unternehmenspolitik, die im großen Stil nur noch auf Nummer sicher geht. Dass Disney fast ausschließlich nur noch in Sequels und Remakes investiert, anstatt in die Entwicklung neuer Stoffe – das ist das riesengroße, kreative Armutszeugnis eines Massenunterhaltungskonzerns, dessen Betriebsgewinn im letzten Jahr immerhin fast 15,7 Milliarden Dollar betrug.

USA 2019, Regie: Jon Favreau; Buch: Jeff Nathanson; Kamera:
Caleb Deschanel; Musik: Hans
Zimmer.