Kritik zu "But Beautiful" von Erwin Wagenhofer - mit Trailer

Von Menschen, die Lösungen leben : Optimusmus pur: „But Beautiful“ von Erwin Wagenhofer

Der Österreicher Erwin Wagenhofer hat mit seinen politischen Dokumentationen immer wieder auf globale Fehlentwicklungen verwiesen: Mit seinem neuen Film „But Beautiful“ (★★★★) geht Wagenhofer nun einen Schritt weiter, indem er sich einem fast schon programmatischem Optimismus verschreibt.

Alle Klagen und Schuldzuweisungen über die globale Misere bleiben hier außen vor. Stattdessen widmet er sich Menschen, die Lösungen leben und Gegenentwürfe zum bestehenden, zerstörerischen System entwickeln.

Da ist etwa Bunker Roy, der in Indien das „Barefoot College“ gegründet hat. Frauen aus aller Welt kommen dorthin, um als sogenannte „Solar Mamas“ ausgebildet zu werden, die ihre Dörfer mit Sonnenenergie elektrifizieren. Es werden die Frauen sein, die die Welt verändern, ist Roy überzeugt. Und da ist ein Schweizer Paar, das auf La Palma von industrieller Landwirtschaft verödete Plantagen wieder in fruchtbare Gärten verwandelt. Oder der österreichische Förster, der mit dem „Wald als Ort des Lebens“ eng verbunden ist. In seinem Betrieb baut er Holzhäuser, die auch auf 1000 Meter Höhe ganz ohne Heizung auskommen. Nicht an Ressourcen fehle es, sondern nur an den richtigen Konzepten, sagt der Unternehmer, der – wie alle Menschen, die in diesem Film vor die Kamera treten – mit sich selbst und der Natur im Einklang scheint und so die produktiven Kräfte der Veränderung generiert.

Dazu gehört auch der Dalai Lama, der humorvoll vor einem Wissenschaftskongress spricht, Beten als Zeitverschwendung bezeichnet und das eigentliche Mantra des Films formuliert: „Nichts existiert unabhängig“ – eine Binsenweisheit, könnte man meinen, wenn nicht die Politiker von Trump bis Johnson gerade mit einer gegenteiligen Agenda fatale Erfolge feiern würden.

D/Österreich 2019, 116 Min.; Camera Zwo (Sb); Regie: Erwin Wagenhofer; Buch: Wagenhofer, Sabine Kriechbaum.