Kritik zu „Booksmart“ von Olivia Wilde - mit Trailer

Außenseiter auf Tour : Diese Komödie muss man einfach mögen

✮✮✮✮ „Booksmart“ von Olivia Wilde: Teen-High-School-Spaß mit der starken Kaitlyn Dever.

Hurra! Die High School, sie brennt zwar nicht, aber sie liegt schon morgen hinter uns. Der Jahrgang der Abgänger ist sich in dieser Einschätzung angesichts des bevorstehenden letzten Schultags weitgehend einig. Amy und Molly haben sich zwar mächtig für die letzte Schülerzeitung und einige andere organisatorische Feinheiten reingekniet, aber jetzt wissen sie nicht einmal, wo die eine, alles überstrahlende Party überhaupt stattfindet. Zumal sie ja sowieso nicht eingeladen worden sind.

Gut, es gibt auch Alternativ-Veranstaltungen wie die Privatparty von Jared auf der Yacht seines Vaters, das allerdings nur in Gesellschaft von Ryan, der exzentrischsten Schülerin des Jahrgangs. Der Entschluss, doch noch die Superparty ausfindig zu machen und dort so richtig über die Stränge zu schlagen, schafft jedoch keineswegs Einigkeit unter den Außenseitern, denn Popularität ist ein trügerisches Gut, wenn dieses nur auf Kosten der besten Freunde zu ergattern ist.

Um es vorweg zu nehmen – unter den diesjährigen Hollywood-Teen-High-School-Komödien ist diese die beste. Das aber ist sie nicht, weil sich vier Autorinnen am Drehbuch abarbeiteten oder Olivia Wilde (zuletzt geschätzt als Devon Finestra in der Serie „Vinyl“) ihren ersten Spielfilm in Szene gesetzt hat, sondern obwohl diese Faktoren eingetreten sind. Es ist auch nicht so, dass die Charakterskizzen sonderlich originell wären. Tatsächlich ist das Aufgebot der Außenseiter (abgesehen von Victoria Ruesgas ultra-exzentrischer Ryan) ganz schön konventionell und die Erwachsenen zünden auch selten Funken, obwohl Lisa Kudrow als Amys Mutter aufschlägt und Jessica Williams als super-coole Lehrerin Miss Fine mehr verdient hätten, als bloß Appetitanreger für vereinzelte Pointen zu sein.

Dazu kommt mit Beanie Feldstein als Molly eine Co-Hauptdarstellerin, die einer deutlich konzentrierteren Regie bedurft hätte, damit ihre ungezügelte Mimik nicht jede Szene brutal an sich reißt. Es gibt aber auch einfach einige unbezahlbar witzige Sachen wie die Anhalterszene mit einem Massenmörder. Kaitlyn Dever (Amy) füllt perfekt die Lücke, die Kristen Stewart und Emma Watson hinterließen, und Skyler Gisondo (Jared) ist hinreißend unberechenbar als der verletzlichste Narziss des Kinojahres. Und so ist „Booksmart“ alles in allem gesehen ein Film mit Stärken und Schwächen – aber einer, den man einfach gern haben muss.

USA 2019, 102 Min., Camera Zwo (Sb); Regie: Olivia Wilde; Buch: Halpern, Haskins, Fogel, Silberman; Kamera: Jason McCormick; Musik: Dan The Automator; Besetzung: Kaitlyn Dever, Beanie Feldstein, Jessica Williams, Jason Sudeikis.