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Komödie „Es ist zu deinem Besten“ von Marc Rothemund neu im Kino

Jetzt im Kino : Verzichtbare Neuverfilmung

✮✮ Neu: „Es ist zu deinem Besten“ von Marc Rothemund mit Jürgen Vogel und Heiner Lauterbach.

Die Kirche ist voll besetzt. Der Bräutigam steht vor dem Altar. Der Vater der Braut wartet vor der Kirchenpforte. Für den gut betuchten Wirtschaftsanwalt Arthur (Heiner Lauterbach) soll heute ein Traum in Erfüllung gehen. Die Tochter – ebenfalls Juristin – wird seinen jungen Kanzleipartner heiraten, womit nicht nur Antonia (Janina Uhse) einen verlässlichen Ehemann bekommt, sondern auch die Nachfolge des Familienunternehmens gesichert ist. Aber nachdem die Braut aus der Limousine gestiegen ist, fährt ein klappriger Gebrauchtwagen vor. Heraus springt ein junger Mann mit buntem Strickpullover und wirrem Haar, der Antonia lauthals seine Liebe gesteht und sie anfleht nicht zu heiraten. Die Braut ist gerührt und fährt mit dem Störer von dannen. Für Arthur bricht eine Welt zusammen. Aber er ist nicht allein. Seine beiden Schwager stehen mit ihren Töchtern vor ähnlichen Problemen. Vorarbeiter Kalle (Jürgen Vogel) kann es nicht fassen, dass sich Luna (Lisa-Marie Koroll) mit einem deutlich älteren Fotografen verabredet, mit dem ihr Vater zur Schule gegangen ist. Heilpraktiker Yus (Hilmi Sözer) kommt an die Grenzen seiner Sanftmut, als seine Tochter Sophie (Lara Aylin Winkler) als Erstfreund einen Dealer mit nach Hause bringt. „Die müssen weg“ lautet das Credo der Väter und fortan tun sie alles Mögliche und Unmögliche, um die ungeliebten Schwiegersöhne loszuwerden.

Mit „Es ist zu eurem Besten“ recycelt Marc Rothemund die spanische Erfolgskomödie „Es por tu bien“, die in ihrer Heimat 1,8 Millionen Zuschauer in die Kinos lockte. Die Beziehungen von Vätern, Töchtern und angehenden Schwiegersöhnen gelten seit „Monsieur Claude und seine Töchter“ als kassenträchtiges Komödiensujet. Dass diesem Film ein ähnlicher Erfolg beschieden sein wird, darf bezweifelt werden. Zu müde die angestrebten Turbulenzen und auch bei der Charakterisierung der Väter lässt Rothemund keinen Stereotypen aus. Bauarbeiter Kalle hat natürlich Probleme mit der Aggressionsbewältigung, der sanfte Heilpraktiker steht unter dem Pantoffel seiner Frau und eine Rolle wie den verkniffenen Rechtsanwalt spielt Heiner Lauterbach auf Autopilot.

Die emotionalen Bindungen zu den Töchtern, welche die Väter in die Verzweiflung treibt, sind bloße Behauptung und nehmen auf der Leinwand keine sichtbare Gestalt an. So bleibt es beim inspirationsarmen Abschießen von halbamüsanten Pointen und vermeintlich spektakulären Wendungen, die der Zuschauer schon von Weitem um die Ecke lugen sieht. Eine verzichtbare Neuverfilmung, mit der in Corona-Zeiten sicherlich keine Publiukumsströme ins Kino gelockt werden.

D 2020, 112 Min., Cinestar (Sb); Regie: Marc Rothemund; Buch: Hans Rath, Felix Starck; Kamera: Philip Peschlow; Besetzung: Heiner Lauterbach, Hilmi Sözer, Jürgen Vogel.