Kitik zu „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ von James Mangold - mit Trailer

Mit Matt Damon und Christian Bale : Furchtlose Männer, die schnell im Kreis fahren

✮✮✮✮ „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ von James Mangold: Action mit starker Besetzung.

Vielleicht wird in zehn, 15 Jahren, wenn Tankstellen aus unserer Landschaft verschwunden sind und ausschließlich Elektroautos leise durch die Straßen surren, James Mangolds „Le Mans 66“ als die letzte Ode an den Verbrennungsmotor in die Filmgeschichte eingegangen sein. Der Film reist zurück in die 60er-Jahre, in denen Ferrari im Motorrennsport die Nase vorn hatte. Aber das Unternehmen gerät in finanzielle Schwierigkeiten und der amerikanische Autoriese Ford wittert seine Chance. Henry Ford II. (Tracy Letts) schickt Verhandler mit einem Übernahmeangebot nach Italien, das allerdings von Enzo Ferrari (Remo Girone) brüskiert abgelehnt wird.

Ihr Boss sei eben nicht Henry Ford, sondern nur Henry Ford II., lässt Ferrari ausrichten. Dem amerikanischen Firmenchef entgleiten die Gesichtszüge, aber gekränkter Mannesstolz ist bekanntlich eine der Hauptantriebsfedern der wirren Weltgeschichte. Und so kündigt Ford an, Ferrari beim 24-Stunden-Rennen im französischen Le Mans besiegen zu wollen. Als Leiter der Rennsport-Unternehmung wird Carroll Shelby (Matt Damon) unter Vertrag genommen, der wiederum den begnadeten Autoschrauber und furchtlosen Rennfahrer Ken Miles (Christian Bale) als kompetenten Mitstreiter engagiert.

Bedenkt man die Tatsache, dass es in diesem Film eigentlich nur um Männer geht, die besonders schnell im Kreis fahren, ist „Le Mans 66“ eine unverschämt unterhaltsame Angelegenheit. Das liegt zum einen an Mangolds fluidem Regiestil, der motorisierte Action-Szenen, maskuline Machtkämpfe und herzerweichende Loyalitätskonflikte professionell ausbalanciert. Aber vor allem wird der Film von seinen Hauptdarstellern getragen: Christian Bale darf endlich einmal als echter Sympathieträger reüssieren, dessen Leidenschaft für frisierte Motoren und schnelle Autos selbst auf passionierte Fahrradfahrer eine ansteckende Wirkung entfaltet. Matt Damon gibt als gewiefter Pragmatiker den optimalen Gegenpol. Besonders gern schaut man jedoch Tracy Letts bei der Arbeit zu, der als Henry Ford II. brillant die omnipotenten Überheblichkeit eines Mannes vorführt, dem zu viel Macht und Geld in den Schoß gefallen ist.

USA 2019, 153 Min.; Regie: James Mangold; Buch: Butterworth, Butterworth, Keller; Kamera: Phedon Papamichael; Musik: Marco Beltrami, Buck Sanders; Besetzung: Christian Bale, Matt Damon, Josh Lucas, Caitriona Balfe.

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