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Kinostart für die Doku „Die Rückkehr der Wölfe“ von Thomas Horat

Jetzt im Kino : Warum immer nur Rotkäppchen?

✮✮✮✮ Neu: „Die Rückkehr der Wölfe“ von Thomas Horat: Überzeugende Dokumenation.

Der Eiserne Vorhang hat nicht nur sozialismusmüde Osteuropäer an der Flucht in den Westen gehindert, sondern auch Wildtiere an der Ausbreitung gehindert. Seit den neunziger Jahren kehrt nun der Wolf wieder nach Mittel- und Westeuropa zurück, wo er vor 150 Jahren ausgerottet wurde. Damit brechen alte Ängste auf, die mediale Debatten anheizen, weil man hierzulande den Umgang mit Raubtieren nicht mehr gewohnt ist.

In seiner Dokumentation „Die Rückkehr der Wölfe“ wirft nun Regisseur Thomas Horath einen gezielt besonnenen Blick auf das Phänomen und seine Folgen. Beginnend in der Schweiz, wo Wölfe die Almschafzüchter zu immer kostspieligeren Schutzmaßnahmen zwingen, reist der Film nach Österreich, Deutschland, Polen, Bulgarien und nach Minnessota, um das Verhältnis zwischen Mensch und Wolf aus verschiedenen Blickwinkeln zu erkunden. Eigentlich ist die Rückkehr des Rudeltieres ein gutes Zeichen dafür, dass die Naturlandschaften intakt sind, über genügend störungsfreien Raum und einen guten Wildbestand verfügen. Wölfe sind scheu, meiden die Nähe zum Menschen. Dennoch ruft der Wolf als mythische Gestalt immer noch Ängste hervor. Warum denken alle nur an Rotkäppchen und keiner an Romulus und Remus, die als Säuglinge von einer Wölfin gerettet wurden?

Kurt Kotrschal hat als Verhaltensforscher an der Universität Wien den Wolf grundlegend erforscht und glaubt, dass vielleicht gerade die vielen Ähnlichkeiten im Artverhalten von Mensch und Wolf Schuld am Missverhältnis sind. Beide leben in einem engen Sozialverband, der sich innen gut organisiert und nach außen effizient verteidigt. In Bulgarien und Minnesota war der Wolf nie ausgerottet und die Menschen haben sich dort an eine Koexistenz mit dem Raubtier gewöhnt.

Auch wenn Horaths Dokumentation keine neuen Argumente aufführt, so überzeugt sein Film doch durch den international geweiteten Blick, mit dem er die hiesige Wolfs-Debatte in Relation setzt und einen umfassenden Überblick über das Wesen des mythisch verklärten Tiers bietet. Dazu passen die weiten Landschaftsaufnahmen, die ein Gefühl dafür vermitteln, dass es bei der Rückkehr des Wolfes nicht nur um die Ängste und Bedürfnisse des Menschen, sondern auch um ein Recht der Natur geht.

Schweiz 2019, 95 Min., Filmhaus (Sb); Regie und Buch: Thomas Horat; Kamera: Luzius Wespe; Musik: Artra Trio.