Kammerspielartiges Drama mit komischen Momenten von Michael Klier

Familiendrama mit Hanno Koffler : Fünf Geschwister und ein Haus

✮✮✮ „Idioten der Familie“ von Michael Klier erzählt eine authentische Familiengeschichte.

Ginnie (Lilith Stangenberg), Mitte 20, gießt die Blumen im Garten. Wirklich geschickt stellt sie sich dabei nicht an. Ginnie kriegt auch sonst wenig auf die Reihe – kein Wunder, die junge Frau ist geistig behindert.

Viele Jahre lang hat sich Schwester Heli (Jördis Triebel) ausopferungsvoll um sie gekümmert, aber nun will sie endlich ihr eigenes Leben genießen. Ginnie soll ab sofort in einem Heim leben. Ihre drei Brüder sind noch einmal gekommen, um das Nesthäkchen zu verabschieden – und nebenbei die Besitzverhältnisse des elterlichen Domizils zu erörtern, das dem gehören soll, der sich um die Schwester kümmert.

Ginnie reagiert zunächst panisch auf den Besuch von Bruno (Florian Stetter), Tommie (Hanno Koffler) und Frederik (Kai Scheve). Nicht ganz zu Unrecht, wie sich bald herausstellt. Die Jungs haben mehr oder weniger ihren Platz im Leben gefunden. Zwei von ihnen sind Musiker geworden, einer mit Erfolg, der andere mit Idealen. Der Dritte im Bunde geht in Bälde nach Mali, um die Welt zu retten. Nur Heli, eine talentierte Malerin, konnte sich nie selbst verwirklichen. Am folgenden Wochenende steht viel Gesprächsstoff im Raum.

Filmemacher Michael Klier hat in der späten Phase seines Schaffens so eindrucksvolle Werke wie „Farland“ oder „Alter und Schönheit“ vorgelegt. „Idioten der Familie“, ein kammerspielartiges Drama mit komischen Momenten, gehört sicherlich nicht zu den subtilsten filmischen Auseinandersetzungen mit einer Familie, die sich entfremdet hat. Dafür ist der Film authentisch und ehrlich in einer Zeit, in der man das Elternhaus in getrennte Richtungen verlässt und sich selbst am nächsten ist.

Nach ihrem grandiosen und furchtlosen Auftritt im Drama „Wild“ und dem „Tatort: Blut“ spielt Lilith Stangenberg einmal mehr eine Frau, die den Rand des Nervenzusammenbruchs längst hinter sich gelassen hat. Und wieder überzeugt sie auf ganzer Linie. Leider wird so viel Mut in dieser Branche nicht immer honoriert und führt rasch in eine Schublade. Vielleicht wäre Stangenberg zur Abwechslung mal eine romantische Komödie zu gönnen. Jördis Triebel spielt wie gewohnt souverän auf und verweist ihre männlichen Kollegen fast ein wenig auf die Plätze. Kein großer, aber ein sehenswerter Film, zu dem man vorzugsweise seine Geschwister ins Kino einlädt.

Deutschland 2018, 102 Min., Filmhaus (Sb); Regie: Michael Klier; Buch: Klier, Karin Aström; Kamera: Patrick Orth; Musik: Tilmann Dehnhard; Besetzung: Hanno Koffler, Florian Stetter, Kai Scheve, Lilith Stangenberg, Jördis Triebel.