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„Irresistible – Unwiderstehlich“ von Jon Stewart ab sofort im Kino

Neustart : Unterhaltsames vom US-Wahlzirkus

✮✮✮✮ Neu im Kino: „Irresistible – Unwiderstehlich“ von Jon Stewart: Trump und die „Wahrheit“.

Jon Stewart ist in den USA eine Institution. Von 1999 bis 2015 war er Moderator der „Daily Show“, einer spätabendlichen Melange aus Comedy-Monologen und einer Bestandsaufnahme des politischen Tagesgeschäfts. Es war Politentertainment für denkende Leute, gewürzt mit wohl kalkulierten Unflätigkeiten, um auch ein breites Publikum bei der Stange zu halten. Hierzulande zeigten sich Oliver Welke („Heute Show“) und Christian Ehring („Extra 3“) in ansprechender Weise von der „Daily Show“ inspiriert. Jon Stewart selbst betätigt sich als Publizist und Filmemacher, es ist kein Zufall, dass seine jüngste Regiearbeit ins Jahr der neuen Präsidentschaftswahl platziert ist.

Stewart eröffnet mit einem Blick zurück ins Jahr 2016, als Donald Trump Dampfwahlkampf betrieb und TV-Moderatorinnen auf Fox News konstatierten: „Donald Trump hat den Menschen heute die Wahrheit gesagt, so wie er das immer macht.“ Wer Stewart noch nicht kannte, weiß spätestens jetzt, wie der Mann tickt.

Auftritt der zwielichtigen Protagonisten. Gary Zimmer ist Wahlkampfmanager der Demokraten, Faith Brewster berät die Republikaner. Nach einer Wahlveranstaltung stehen sie vor der Presse und in einer furiosen Montagefolge ergänzen sich im jeweiligen Gegenschnitt ihre Sätze zu identischer Aussage, obwohl sie völlig verschiedene Kandidaten promoten. Und zum Abschluss sagen sie den Pressevertretern: „Ich lüge Sie an. Sie alle wissen das und trotzdem sind Sie hier.“ Womit Stewarts Meinung zum Wahlzirkus klar herausgestellt wäre.

Was folgt ist ein Minimum an Handlung. Gary (Steve Carell) lässt sich für einen Job begeistern, der in das Provinzstädtchen Deerlaken, Wisconsin führt. Hier will der Ex-Colonel Hawkins (Chris Cooper) das Bürgermeisteramt gegen einen haushoch überlegenen Kandidaten der Republikaner erobern. Gary kniet sich mit Gusto in die Aufgabe, beginnt in Washington Gelder zu generieren und läuft so richtig zur Hochform auf, als Faith (Rose Byrne, mit extra viel Sarkasmus im schönen Gesicht) in der Stadt auftaucht und die Gegenseite zu organisieren beginnt.

Jon Stewart folgt mit seinen Film der Strategie von „Local Hero“, wo ein Außenseiter in einer zerstrittenen Kommune unwillentlich Frieden stiftet. Angereichert wird das Ganze mit dem ur-amerikanischen Gemeinschaftsglauben des großen Frank Capra. Jon Stewart steht damit zwischen den Fronten. Sein Blick aufs System ist links-liberal kritisch, sein Gesellschaftsbild dagegen konservativ-liberal. Das macht seinen Film sehr unterhaltsam, aber eben auch sehr amerikanisch.

USA 2020, Regie: Jon Stewart; Kamera: Bobby Bukowski; Musik: Bryce Dessner; Besetzung: Steve Carell, Rose Byrne, Mackenzie Davis, Natasha Lyonne.