Filmkritik zu „Tolkien“ von Dome Karukoski - mit Trailer

Biopic über einen der, wenn nicht den, größten Fantasy-Autor : Auf grausame Weise vom Krieg geprägt

✮✮✮ „Tolkien“ von Dome Karukoski: Biographie über den Schrifsteller mit Nicholas Hoult.

John Ronald Reuel Tolkien (1892-1973) verdankt die Welt mit „Hobbit“ und „Herr der Ringe“ die wichtigsten Werke der fantastischen Literatur. Deren Verfilmung durch Peter Jackson wurde Anfang der 2000er zu einem Meilenstein der Filmgeschichte. Nun reist Regisseur Dome Karukoski („Tom of Finnland“) mit seinem Film „Tolkien“ in die jungen Lebensjahre des Autoren und versucht der Inspiration auf den Grund zu gehen, aus der heraus diese fantastischen Monumentalwerke entstanden sind.

Tolkiens Bücher sind stark vom zeitgenössischen Erleben zweier verheerender Weltkriege geprägt und so beginnt der Film 1916 an der Somme, wo der 24jährige Tolkien durch die Schützengräben irrt und draußen auf dem verwüsteten Schlachtfeld Drachen und berittene Männer mit langen Lanzen halluziniert. Von hier spult der Film zurück in die Kindheit. Nach dem Tod der Mutter wird Ronald als Pflegekind bei einer wohlhabenden Lady untergebracht und besucht die angesehene „King Edward’s School“ in Birmingham. Hier findet der Waisenjunge Anschluss an eine Gruppe heranwachsender Männer aus reichen Verhältnissen. Die schwärmerischen Jugendlichen wollen die Welt gemeinsam durch Kunst, Literatur und Musik verändern. Im Hause der Pflegemutter lebt auch die begabte Pianistin Edith Brath (Lily Collins), in die sich der junge Tolkien unsterblich verliebt.

Immer wieder schwenkt Karukoski aus der Rückblendenerzählung zurück in die Schützengräben, wo das Fieber von Tolkien zunehmend Besitz ergreift, sich die Flammenwerfer der Feinde in Drachen verwandeln und die Senfgasschwaden an die Nebelfelder von Mittelerde erinnern. Der selbst gesetzte Auftrag, in den biografischen Erlebnissen die Quellen der Inspiration für das fantastische Werk Tolkiens zu finden, liegt über weite Strecken wie Blei über der filmischen Erzählung. Schon bald nennen sich die vier Freunde des Teaclubs „Gefährten“ und natürlich darf ein Besuch in der Oper, nicht fehlen, wo das junge Liebespaar Richard Wagners Nibelungenring-Zyklus lauscht.

Der viel zu gut aussehende Nicholas Hoult ist zwar als sensibler Geist durchaus glaubwürdig, aber die Freunde, deren prägender Einfluss beschworen wird, bleiben als Figuren im konventionellen Erzählformat ziemlich blass. Immerhin entwickelt die funktionierende Liebesgeschichte den notwendigen Herzschmerzfaktor. Wirklich gelungen ist die Darstellung des brutalen Kontrastes zwischen dem jugendlich-intellektuellen Ungestüm und traumatischen Kriegserfahrungen, von dem Tolkien und seine Generation auf grausame Weise geprägt waren.

USA 2019, 112 Min., Camera Zwo (Sb), Regie: Dome Karukoski; Buch: David Gleeson, Stephen Beresford; Kamera: LAsse Frank Johannessen; Musik: Thomas Newman; Besetzung: Nicholas Hoult, Derek Jacobi, Lilly Collins, Harry Gilby.

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