Filmkritik zu „So wie du mich willst“ von Safy Nebbou - mit Trailer

Französisches Drama : Zwischen Liebesglück und Verlassensein

✮✮✮✮ „So wie du mich willst“ von Safy Nebbou: Liebsdrama mit der tollen Juilette Binoche.

Als geschiedene Frau um die 50 und Mutter zweier pubertierender Söhne fühlt sich Claire (Juliette Binoche) ungeliebt. Sie hat zwar eine Affäre mit dem deutlich jüngeren Ludo (Guillaume Gouix), aber der wimmelt sie am Telefon ab, wenn er sich mit Gleichaltrigen vergnügt. Was macht die moderne Frau von heute in einer solchen Situation? Sie sucht ihr Glück online.

Mit einem Fake-Profil meldet sich Claire bei Facebook unter einem klangvollen Namen an: Clara Antunès, geboren 1993. Eigentlich will sie nur Ludo näher sein, als sie eine Freundschaftsanfrage an dessen Mitbewohner Alex schickt. Von Chat zu Chat baut sie für sich und Alex eine virtuelle Existenz aus und schickt ihm sogar das Foto ihrer 24-jährigen Nichte als Beleg. Aus dem Online-Flirt wird eine leidenschaftliche Telefonbeziehung, die Claire zunehmend ihr eigentliches Leben vernachlässigen lässt.

Natürlich drängt der fernmündliche Geliebte auf ein Treffen in der realen Welt. Als Claire ihn nicht länger hinhalten kann, eilt sie zur Verabredung am Bahnhof. Aber der junge Mann mit dem Rucksack auf dem Rücken, der direkt vor ihr steht, schaut an ihr vorbei, weil seine Augen nach einem 24-jährigem Phantom suchen. All das berichtet Claire ihrer neuen Psychologin.

Der scheinbar abgegriffene Erzählkniff ist in Safy Nebbous „So wie du mich willst“ weit mehr als eine konventionelle Rahmenhandlung. Wenn die Ereignisse ins große Liebesdrama münden, verbinden die Therapiesitzungen zwei weitere Erzählebenen, die das Gesehene neu bewerten. Der Film nach dem Roman von Camille Laurens spielt erfolgreich mit der Macht der subjektiven Erzählperspektive, ohne in Drehbuch-Hokuspokus zu verfallen. Eigentlich sieht Juliette Binoche viel zu jung und schön für die Rolle der verzweifelten Frau mittleren Alters aus.

Aber sie ist in der Lage das perlende Liebesglück ihrer Figur genauso überzeugend darzustellen wie das Gefühl abgrundtiefen Verlassenseins, das Claire mit der virtuellen Affäre zu bekämpfen versucht. Jede Szene gehört Binoche und die Kamera schenkt ihr mit sorgfältig kadrierten Nahaufnahmen jene unbedingte Aufmerksamkeit, die ihrer Heldin von der sozialen Umgebung verwehrt wird.

Nach dem Science-Fiction „High Life“, der Ensemblekomödie „Zwischen den Zeilen“ und der japanischen Esoterik-Exkursion „Die Blüte des Einklangs“ ist dies schon Binoches vierter Auftritt in diesem Kinojahr. Von einer künstlerischer Midlife-Crisis bleibt die 55-jährige Vollblutschauspielerin offensichtlich gründlich verschont.

So wie Du mich willst. Foto: Alamode Film

Fra/Bel 2019, 101 Min., Camera Zwo (Sb); Regie: Safy Nebbou; Buch: Nebbou, Julie Peyr; Kamera: Gilles Porte; Musik: Ibrahim Maalouf; Besetzung: Juliette Binoche, Francois Civil, Nicole Garcia, Marie-Ange Casta.

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