Filmkritik zu „Fisherman’s Friends“ von Chris Foggin - mit Trailer

Von Cornwalls Fischern : Gefühls-Chaos um die singenden Seeleute

✮✮✮ „Fisherman’s Friends“ von Chris Foggin: Wahre Geschichte, fürs Kino aufgehübscht.

Die Fischer von Port Isaac an der Nordküste der Grafschaft Cornwall in Englands Südwesten treffen sich in aller Frühe am Hafen und laufen mit ihrem kleinen Boot aus, um die Hummerfallen zu leeren. Bei ihrer Arbeit stimmen sie ein zünftiges Seemannslied an. Und, beim heiligen Klabautermann, der Gesang klingt gar nicht so übel.

Ein Londoner Quartett aus reichen Schnöseln, dass sich für ein Junggesellen-Wochenende im Örtchen einquartiert, wird dort nicht eben mit offenen Armen empfangen. Zur Truppe gehören auch der Musikmanager Danny (Daniel Mays) und sein Boss Troy (Noel Clarke). Die Männer werden Zeuge, wie die Seeleute unter dem Namen „Fisherman´s Friends“ ihre Shantys schmettern, wie sie es zu besonderen Anlässen offenbar regelmäßig tun.

Als Label-Chef Troy anregt, den ungewöhnlichen Fischerchor unter Vertrag zu nehmen, nimmt Danny das bierernst. Auch als ihn seine Kumpels einfach in Port Isaac zurücklassen, riecht der Agent noch keine Lunte. Er setzt alle Hebel in Bewegung, um die Sänger von einer Zusammenarbeit zu überzeugen. Einige der älteren Jungs zeigen sich durchaus interessiert, aber der Weg zu einem Vertrag kann nur über den beinharten Jim (James Purefoy) führen.

Tatsächlich gelingt es Danny, den melancholischen Mann zur Aufnahme eines Demobandes zu bewegen. Auch das Herz von Jims alleinerziehender Tochter Alwyn (bezaubernd: Tuppence Middleton) beginnt sich allmählich für das Projekt und auch für Danny zu erwärmen. Aber dann erweist sich der Vorschlag seines Plattenchefs als schlechter Witz.

Die Geschichte von den singenden Seeleuten ist kein Seemannsgarn, sie hat sich tatsächlich ereignet. Für das Kino wurde das Geschehen freilich ein wenig aufgehübscht. Der Zuschauer weiß natürlich von vorn herein, dass die Käuze aus Cornwall mit ihrer Platte die Charts aufmischen werden, aber das ist kein Manko. Den Weg dahin inszeniert Regisseur Chris Foggin nämlich routiniert als sympathisches Gefühlschaos mit zahlreichen traurigen und komischen Momenten.

GB 2019, 112 Min., Camera Zwo (Sb); Regie: Chris Foggin; Buch: Ashworth, Leonard, Moorcroft; Kamera: Simon Tindall; Musik: Rupert Christie; Besetzung: Tuppence Middleton, James Purefoy, Daniel Mays, David Hayman.

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