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Film „Master Cheng in Pohjanjoki“ von Mika Kaurismäki jetzt im Kino

Jetzt im Kino : Integration geht durch den Magen

✮✮✮✮ Neu im Kino: „Master Cheng in Pohjanjoki“ von Mika Kaurismäki: Finnland trifft Asien.

„Heute Wursttag“ steht jeden Tag auf dem Schild vor „Sirrka‘s Bar“. Die Gaststätte im finnischen Pohjanjoki ist der soziale Treffpunkt der kleinen Gemeinde hoch oben in Lappland, aber gewiss kein kulinarischer Hotspot. Träge liegt der Kartoffelbrei im Wärmebehälter. Nebenan schwimmen Wurststücke in brauner Fettsoße. Dazu gibt es vorgeraspelte Möhren aus der Tüte als Gemüsebeilage.

Die Einwohner beschweren sich nicht. Sie sind es nicht besser gewöhnt und sehen, dass Sirrka (Anna-Maija Tuokko), die junge Wirtin, sich Mühe gibt, den Laden aufrecht zu erhalten. Aber als ein Bus mit chinesischen Touristen vorfährt, rümpfen die Gäste aus Fernost die Nase und wollen wieder Reißaus nehmen. „Ich kann helfen“ sagt Cheng (Pak Hon Chu), der am Tag zuvor mit seinem kleinen Sohn Nunjo (Lucas Hsuan) in Pohjanjoki angekommen ist. Zuhause in Schanghai war er ein Meisterkoch, der ein florierendes Restaurant betrieben hat, bis er nach dem Tod seiner Frau aus der Bahn geriet. Nach einem kurzen Ausflug in den örtlichen Lebensmittelladen zaubert Cheng eine Hühnernudelsuppe, die die chinesischen Gäste, aber auch die Ortskundschaft genüsslich in sich hinein schlürfen. Der Touristenführer kündigt weitere Busladungen hungriger Asiaten an und so bittet Sirrka den Koch zu bleiben.

Mit „Master Cheng in Pohjanjoki“ entwirft Mika Kaurismäki eine sanft melancholische Multikulti-Komödie, in der sich chinesische Esskultur und finnisches „Savoir-vivre“ munter miteinander vermengen. Anfängliche Widerstände gegen die fremde Esskultur sind angesichts der wohlschmeckenden Speisen schnell gebrochen. Intergration geht durch den Magen. Zumal Chengs Gerichte unter den Einwohnern auch eine heilende Wirkung entfalten. Im Gegenzug lernt der chinesische Gast die Freuden des Lebens im nordfinnischen Sommer kennen. Bergwanderungen mit Panoramablick in unendliche Weiten, Saunagänge mit Birkenzweig-Geißelungen, Angelausflüge in einem riesigen Floß über den idyllischen See. Und natürlich Sirrka, die aus dem Süden nach Lappland gezogen ist, um ein neues Leben anzufangen und in Cheng den Mann erkennt, mit dem sie dieses Leben teilen will.

Sicherlich sind in „Master Cheng in Pohjanjoki“ die Wege zum Glück inklusive der Aufarbeitung schmerzhafter Erlebnisse in der Vergangenheit recht überschaubar verlegt. Aber angesichts der wunderbar kauzigen Dorfbewohner, einer sympathischen Romanze, dem gelassenen Erzählton, den wunderschönen Landschaftsaufnahmen und den kulinarischen Köstlichkeiten, die schon beim Zuschauen Körper und Seele erwärmen, ergibt man sich nur zu gerne dem diskreten Charme vollkommener Harmonisierung.

Finnland/China 2019, 114 Min.,
Camera Zwo (Sb); Regie: Mika
Kaurismäki; Buch: Hannu Oravisto; Kamera: Jari Mutikainen,
Musik: Anssi Tikanmäki; Besetzung:Pak Hon Chu, Lucas Hsun, Anna-Maija Tuokko.