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Ein tierischer Held erobert in "Ruf der Wildnis" die Kinoleinwände

Neu im Kino: : Ein Hund auf eigenen Pfaden

✮✮✮ „Ruf der Wildnis“ von Chris Sanders: Grandiose Landschaftsaufnahmen und rasante Schlitten-Action

Die bisherigen neun Adaptionen des 1903 erschienenen Abenteuerromans „Ruf der Wildnis“ von Jack London waren in ihrer Wirkkraft beschränkt. Die tierischen Hauptdarsteller konnten ihrer Rolle nicht jene vermenschlichten Seelentiefe verleihen, die der Romanautor seinem Hundehelden Buck zugedacht hat. Mit solchen Limitierungen ist jetzt Schluss – spätestens seit Jon Favreau in „Das Dschungelbuch“ (2016) seine Digitaltiere vollkommen überzeugend fotorealistisch animierte.

Ein bisschen überdimensioniert wirkt der gutmütige, digitale Buck, aber ansonsten kann er alles, was seine realen Artgenossen auch können: im feinsten Hundegalopp über den Rasen rasen, übermütig durchs Haus tollen und vor allem treu in die Kamera schauen. Gerade was Blick und Mimik angeht, haben die Animatoren ganze Arbeit geleistet. Denn schließlich geht es um einen Hund, der das Gerede der Menschen versteht und dabei eine fast therapeutische Wirkung ausstrahlt. Besonders bedürftig in dieser Hinsicht ist der einsame Trapper John Thornton (Harrison Ford), mit dem Buck die letzte Etappe in die nördliche Wildnis absolviert. Der Mann kommt über den Tod seines Sohnes nicht hinweg, findet in dem Hund einen geduldigen Seelentröster und erkennt schließlich, dass er seinem treuen Freund die Freiheit schenken muss.

Es ist ein langer Weg für Buck vom verwöhnten Haustier in Kalifornien über die Schwerstarbeit als Post-Schlittenhund in Alaska hinein in die vom Menschen unabhängige Gemeinschaft des Wolfsrudels. Aber er führt vorbei an einigen grandiosen Landschaftsaufnahmen und zu rasanten Schlitten-Action-Einlagen, mit denen Regisseur Chris Sanders über manch narrative Durststreckein in „Ruf der Wildnis“ (✮✮✮) hinwegtröstet.

USA 2020 100 min; Cinestar (Sb); Regie: Chris Sanders; Buch: Michael Green, Jack London; Darsteller: Harrison Ford, Omar Sy, Cara Gee.