„Die Addams Family“ von Greg Tiernan und Conrad Vernon - mit Trailer

Zwischen Mainstream und Individualismus : Nur Tochter Wednesday sorgt für Spaß

✮✮✮ „Die Addams Family“ von Greg Tiernan und Conrad Vernon: Bescheidene Animation.

Die pinkfarbene Haarspange, die Teenagertochter Wednesday aus der Schule mit nach Hause bringt, ist eine Provokation. Kommt das schmückende Utensil doch aus einer Welt, die dieser Familie vollkommen fremd ist: der Normalität.

1938 stellte der Cartoonist Charles Addams im Magazin „New Yorker“ zum ersten Mal die exzentrische Großfamilie vor, in der das Sonderbare und Makabre zum verwandtschaftlichen Standard gehört. Über ein dreiviertel Jahrhundert wurde die liebenswerte Andersartigkeit der „Addams Family“ in TV-Serien, Zeichentrick- und Spielfilmen sowie einem Musical immer wieder neu zum Leben erweckt. Nun bringt das Regie-Duo Greg Tiernan und Conrad Vernon („Sausage Party – Es geht um die Wurst“) den traditionsreichen Stoff ins Format eines digitalen Animationsfilmes.

Hoch oben auf einem nebeligen Berg haben die Addams in einer ehemaligen Irrenanstalt Quartier bezogen. Hier können die Familienangehörigen ihren bizarren Vorlieben nachgehen: Mutter Morticia quetscht den Kopf des freudvoll jauchzenden Gatten mit der Schraubzwinge ein. Sohnemann Pugsley spielt mit seiner Sprengstoffsammlung. Tochter Wednesday denkt sich immer neu Tricks aus, um ihren Bruder lebendig zu begraben.

Die makabre Familienidylle wird empfindlich gestört, als unten im Tal eine blitzblanke Vorstadtsiedlung hochgezogen wird. „Assimilation“ nennt sich das Vorzeigestädtchen, in dem die Kinder fröhlich singen: „Wer braucht schon Persönlichkeit, seid einfach wie die Allgemeinheit“.

Hier herrscht die Wohndesignerin Margaux Needler, die in einer TV-Show ihre pastellfarbenen Immobilien vertickt. Der heruntergekommene Altbau und die seltsamen Bewohner sind der Projektentwicklerin natürlich ein Dorn im Auge. Aber eine Familie wie die Addams lässt sich nicht so einfach weggentrifizieren.

Mit dem Konflikt zwischen Mainstream und Individualismus nehmen Tiernan und Vernon das Grundmotiv der Comic-Vorlage auf, das heute sicherlich nichts an Aktualität eingebüßt hat. Auch in der optischen Gestaltung der Figuren halten sich die CGI-Designer ganz nah an die Originalcartoons, wobei die mit präzisem Strich gezeichneten Charaktere als plastische Pixelwesen deutlich an Charme verlieren. Der eigentliche Star des Films ist Teenager-Tochter Wednesday, deren knochentrockener Humor die besten Pointen generiert. Der Plot hingegen stolpert etwas unkonzentriert vor sich hin und findet zwischen hektischen Action-Szenen und netten Skurrilitäten leider keinen tragfähigen Erzählrhythmus.

USA/Kanada 2019; Regie: Greg Tiernan, Conrad Vernon; Buch: Matt Lieberman, Pamela Pettler; Musik: Jeff und Mychael Danna.

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