Der Science-Fiction-Horror-Film startet in der Saarbrücker Camera Zwo

Science Fiction und Horror : Diese Blumen haben es faustdick hinter den Blüten

✮✮✮✮ „Little Joe – Glück ist ein Geschäft“ von Jessica Hausner: Ein fesselnder Science-Fiction-Horror-Film.

In Reih‘ und Glied stehen die Blumen im Gewächshaus nebeneinander. Kaum Blattwerk, ein elegant geschwungener Stil, an dessen Ende sich eine dekorative, scharlachrote Blüte dem Licht entgegen streckt. Die Schlichtheit der Topfpflanze täuscht, denn die neue Züchtung, welche die Genetikerin Alice (Emily Beecham) und ihr Kollege Chris (Ben Wishaw) entwickelt haben, hat es in sich.

„Little Joe“ – so der Name des biotechnischen Produkts – soll nämlich seine Besitzer glücklich machen. Bei entsprechender Pflege schüttet die Blume das Hormon Oxytocin aus, dem beim Menschen in der emotionalen Verbindung zwischen Mutter und Kind eine wichtige Rolle zukommt. Auch regelmäßige verbale Zuwendung sollen das Wohlbefinden der Pflanze befördern.

In einigen Wochen kommt der Glücklichmacher auf den Markt und Alice nimmt schon einmal eine der Blumen mit nach Hause, um ihrem Sohn Joe (Kit Connor), nach dem sie ihre Erfindung benannt hat, eine Freude zu machen. Aber dann häufen sich die Anzeichen, dass die roten Blümchen nicht nur dem Glück des Menschen dienen, sondern eigene Strategien verfolgen: Eine Nachbarpopulation von blauen Blüten verdorrt von einem Tag auf den anderen. Der Hund einer älteren Kollegin verhält sich aggressiv, nachdem er eine Nacht im Gewächshaus eingesperrt war. Und auch Sohnemann Joe geht plötzlich zur Mutter auf Distanz.

In ihrer ersten englischsprachigen Produktion entwirft die österreichische Regisseurin Jessica Hausner („Amour Fou“/„Lourdes“) einen Science-Fiction-Horror-Film von schleichender Intensität. Die helle, sterile Kulisse des Biotech-Betriebes bietet den idealen Nährboden für ein nagendes Unbehagen, das den Film antreibt. Wie in Philip Kaufmans „Die Körperfresser kommen“ (1978) manifestiert sich der Horror nicht in physischer Gewalt, sondern in der Vereinnahmung der Persönlichkeit, die durch das Einatmen der Pflanzenpollen ausgelöst wird. Aber vielleicht bildet sich Alice das alles auch nur ein, sind die debil lächelnden Kollegen auch einfach nur freundlich und der fremdelnde Sohn im pubertären Abgrenzungsmodus.

Mit unnachgiebiger Stringenz arbeitet Hausner an der Atmosphäre grundlegender Verunsicherung und beweist dabei ein enormes filmisches Kontrollvermögen. Jedes Set, jede Einstellung, Farbgebung und Musik-Score sind hier genau austariert und auch Hauptdarstellerin Emily Beecham, die in Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde, fügt sich mit ihrem fein nuanciertem Spiel in das Konzept bestens ein.

Öst/D/GB 2019, 100 Min.; Camera Zwo (Sb); Regie und Buch: Jessica Hausner; Kamera: Martin Gschlacht; Besetzung: Emily Beecham, Ben Wishaw, Kerry Fox, Kit Connor.