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Der Film „The Climb“ von Michael Angelo Covino startet in den Kinos

Jetzt im KIno : Lässig, humorvoll, fesselnd, originell

✮✮✮✮✮ Neu: „The Climb“ von Michael Angelo Covino: Unkaputtbare Männerfreundschaft.

Es geht bergauf, steil bergauf für die beiden Radfahrer. Der sportlichere Mike (Michael Angelo Covino) wie immer vorneweg. Der leicht untersetzte Kyle (Kyle Marvin) etwas hintendran. Für Mike ist nun der ideale Zeitpunkt gekommen, um ein Geständnis abzulegen.

Er habe mit seiner Verlobten geschlafen, ruft er seinem besten Freund wenige Tage vor der Hochzeit nach hinten zu. Kyle ist schockiert und versucht ebenso verbissen wie vergeblich Mike einzuholen. Aber der hält ihn auf Abstand, während die beiden Männer ständig um Atem ringend miteinander in Streit geraten.

Es ist eine grandiose Eröffnungssequenz, die Michael Angelo Covino in seinem Regiedebüt „The Climb“ über fast zehn Minuten ohne Schnitt angelegt hat. Covino wirft sein Publikum gleich mitten hinein in das Drama dieser Männerfreundschaft, die hier auf urkomische Weise in der Berganfahrt zerbricht. Oder auch nicht. Denn obwohl die Hochzeit platzt, statt Kyle nun Mike dessen Verlobte heiratet, geht das Leben weiter. Immer bergauf, auf steilen, schwer einsehbaren Wegen. In neun Kapiteln führt Covino die beiden Jugendfreunde, die nicht voneinander lassen können, immer wieder neu zusammen. Ob Beerdigung, Thanksgiving, Weihnachten, Junggesellenabschied, Hochzeit , Geburtstag – jede Vignette ein herzzerreißendes Drama und großartige Komödie für sich.

Im Verlauf des wendungsreichen, ökonomisch konstruierten Plots scheinen die Charaktere in Szene für Szene über sich selbst hinauszuwachsen. Hinzu kommen Dialoge, die wie lässig hingeworfen erscheinen und dennoch jede Pointe auf den Kopf treffen.

Quirlig, quicklebendig, im nächsten Moment wieder melancholisch und melodramatisch surft „The Climb“ durch die Niederungen einer unverwüstlichen Freundschaft zweier Männer, die auch im fortgeschrittenerem Alter mit dem Erwachsenwerden ihre Schwierigkeiten haben.

Corvino zeigt ein feines Gespür für die Zwischentöne und die Selbstironie zeitgenössischer Männlichkeit, die nicht weiß wohin mit sich, den Erwartungshaltungen und ihren wirren Gefühlen. Seit sehr vielen Jahren hat man keinen so humorvollen US-Independent-Film mehr gesehen, der zudem noch durch seine originelle Kameraarbeit überzeugen kann.

USA 2019, 98 Min., Camera Zwo (Sb); Regie und Buch: Michael Angelo Covino; Kamera: Zach Kuperstein; Musik: Martin Mabz, Jon Natchez; Besetzung: Michael Angelo Corvino, Kyle Marvin, Gayle Rankin, Judith Godrèche.