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Der Film „Persischstunden“ von Vadim Perelman ab sofort in den Kinos

Jetzt im Kino : Spannendes und tiefgründiges Kammerspiel

✮✮✮ Neu im Kino: „Persischstunden“ von Vadim Perelman: Glaubhafte Schauspielkunst.

„Ich bin Perser“ ruft der belgische Jude Gilles (Nahuel Pérez Biscayart), als neben ihm die Mitgefangenen im Kugelhagel sterben. Der Satz lässt die SS-Schergen innehalten. Hauptsturmführer Klaus Koch (Lars Eidinger) hat den Männern Dosenfleisch versprochen, wenn sie ihm einen echten Perser bringen. Koch, der im Konzentrationslager die Küche leitet, hat sich in den Kopf gesetzt Farsi zu lernen, weil er davon träumt nach dem Krieg in Teheran ein Restaurant zu eröffnen. Statt im Steinbruch wird der Gefangene in der Kantine angestellt und soll nach Dienstschluss Koch unterrichten. Nur dass Gilles kein Wort Farsi spricht und nun eine eigene Sprache erfinden muss, um im Lager zu überleben. Das Opfer wird zum Lehrer und der Täter zum Schüler in Vadim Perelmans „Persischstunden“.

Der ukrainisch-kanadische Regisseur entwirft ein ebenso spannendes wie tiefgründiges Kammerspiel, das vor der KZ-Kulisse die erfundene Sprache zum Überlebensmittel werden lässt. Gleichzeitig ist das falsche Persisch ein künstlicher Raum, in dem sich SS-Mann und KZ-Gefangener begegnen. Aber auch wenn die harte Schale des Hauptsturmführer Risse bekommt, verliert Perelman nie das bedrohliche Machtverhältnis aus den Augen. Eidinger spielt beide Seiten der Täterschizophrenie mit beklemmender Differenziertheit. Ihm gegenüber steht der fabelhafte Nahuel Pérez Biscayart, der die intelligente Sensibilität und Beobachtungsgabe seiner Figur absolut glaubhaft verkörpert. Immer wieder öffnet sich der Blick aus der Zweierkonstellation heraus auf das Lagerleben, wo innerhalb der SS-Hierarchie Intrigen geschmiedet werden und die Gefangenen durch Schwerstarbeit ermordet werden. Hier bleibt Perelman gezielt im Exemplarischen aus der Gewissheit heraus, dass das Grauen der Shoah im Kino nicht darstellbar sind. Gerade in der kraftvollen Schlusswendung geht das Konzept des Films auf, das von einer fast schon poetischen Prämisse ausgehend die Täter-Opfer-Beziehung mit nüchternem Analysevermögen ausleuchtet.

Rus/Weißrus/D 2019, 127 Min., Camera Zwo (Sb); Regie: V. Perelman; Besetzung: N. Pérez Biscayart, L. Eidinger, J. Nay, L. Benesch.