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Der Film "Eine größere Welt“ von Fabienne Berthaud läuft jetzt im Kino

„Eine größere Welt“ im Kino : Zwischen Trauer und Selbstfindung

✮✮✮✮ Neu im Kino: „Eine größere Welt“ von Fabienne Berthaud: Begegnung von Kulturen.

Corine ist eine attraktive, selbstbewusste und kontaktfreudige Frau, die jedoch nicht über den Tod ihres Mannes Paul hinwegkommt und in ihrer Trauer gefangen bleibt. Auch bei der Arbeit macht sie gravierende Fehler. Da es so nicht weitergehen kann, vermittelt ihr ein Freund einen Job in der Mongolei. Als Tonfrau soll sie für eine Reportage über Schamanismus in der abgelegenen Region ethnographische Aufnahmen sammeln. Mit einer Übersetzerin zieht sie in den Norden des Landes zu den Tsaatan, einem Nomadenvolk.

„Eine größere Welt" entdeckt Corine, als sie während eines schamanischen Rituals wolfsähnliche Laute ausstößt und in Trance fällt. Sie sei in Lebensgefahr gewesen, sagt die Schamanin Oyun und klärt die Französin darüber auf, dass sie eine seltene Gabe besitzt. Corine ist entsetzt, doch zurück in Frankreich lassen sie ihre Erlebnisse in der Mongolei nicht mehr los. Vielleicht gibt es hinter der Tür des Bewusstseins eine Möglichkeit, wieder mit Paul zusammenzutreffen?

Der Film basiert auf dem Buch „Mein Leben mit den Schamanen“ von Corine Sombrun, in dem sie ihre Erlebnisse nach einem Trauerfall verarbeitet hat. Der Inszenierung von Fabienne Berthaud gelingt die Balance zwischen obsessiver Trauer und der Beschreibung eines spirituellen Alltags einer anderen Kultur. Diese Balance beruht insbesondere auf der Hauptdarstellerin Cecile de France. Auch wenn „Eine größere Welt“ insbesondere zu Beginn durchaus mit den Schönheiten der Landschaft spielt, lebt der Film doch in einem hohen Maße von seiner Natürlichkeit. Bis auf die Schamanin Oyun, die von der mongolischen Schauspielerin Tserendarizav Dashnyam sehr facettenreich verkörpert wird, handelt es bei den mongolischen Darstellern ausnahmslos um Laien. Schamanismus und Spiritualität sind Teil ihres täglichen Lebens.

Beeindruckend ist aber auch die Kamera von Nathalie Durand, die das Spiel der Emotionen in den Gesichtern wunderbar einfängt, aber auch zahllose ethnographische Details unauffällig widerspiegelt. „Eine größere Welt" erzählt von Trauer und Selbstfindung und wie hart die Arbeit sein kann, wenn es zur Begegnung zwischen den Kulturen kommen soll. Mit seiner so burschikosen wie sensiblen Hauptdarstellerin und der genauen Beobachtung ethnographischer Details vermeidet der Film jeden Anflug von Ethnokitsch und billige Handbuch-Spiritualität.

Frankreich/Belgien 2019, 100 Min., Camera Zwo (Sb); Regie: Fabienne Berthaud; Buch: Berthaud, Claire Barré; Kamera: Nathalie Durand; Musik: Valentin Hadjadj; Besetzung: Cécile de France, Narantsetseg Dash, Tserendarizav Dashnyam, Ludivine Sagnier.