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Der Film „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ läuft in den Kinos an

Jetzt im Kino : Eine charmante Frau als Drogenboss

✮✮✮✮ Neu: „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ mit einer facettenreichen Hauptdarstellerin.

„Du hast etwas Widersprüchliches an dir“ sagt Philippe (Hippolyte Girardot) zu Patience (Isabell Huppert). „Du bist so zart, so schmal wie ein Grashalm. Und dabei strotzt du vor Selbstvertrauen.“ Das Kompliment des schwer verliebten Kriminalkommissars an die Dolmetscherin bringt augenzwinkernd einen zentralen Aspekt auf den Punkt, der die faszinierende Leinwandpräsenz von Isabelle Huppert bestimmt. In zahllosen Rollen hat sie ihre zierliche Gestalt mit einer enormen inneren Stärke verbunden und damit dem Kino von „Die Klavierspielerin“ bis zu „Elle“ immer neue, großartige, facettenreiche Frauenfiguren geschenkt. Ihre Rolle in Jean-Paul Salomés „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ gehört ebenfalls dazu, auch wenn sich die Kriminalkomödie eher auf dem Gebiet der leichteren Unterhaltung verortet. Huppert spielt hier eine Übersetzerin, die für die Pariser Polizei Verhöre und abgehörte Telefongespräche vom Arabischen ins Französische übersetzt.

Als Patience in einem Telefonat die Stimme des Sohns von Khadidja (Farida Ouchani), die ihre demente Mutter im Altenheim versorgt, erkennt, warnt sie die Pflegerin vor dem bevorstehenden Polizeieinsatz. Die Wagenladung Haschischs wird versteckt, die Razzia greift ins Leere und auch die Auftraggeber haben keine Ahnung, wo die Lieferung geblieben ist. Mit einem ausgemusterten Drogenspürhund macht Patience den Stoff ausfindig. Als arabische Großhändlerin mit schickem Hijab und Sonnenbrille mischt Patience nun die lokale Drogenszene gründlich auf.

Die Grundidee von „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ ist nicht neu. In „Grasgeflüster“ mit Brenda Blethyn und „Paulette“ mit Bernadette Lafont versuchten sich schon vermeintlich harmlose Damen in der kriminelle Betäubungsmittelbranche. Aber hier setzt Regisseur Salomé weniger auf geschlechterstereotype Kontraste. Hupperts Drogenhändlerin steigt nicht mit Naivität, sondern mit kriminellem Gespür und selbst erworbener Kenntnis ins illegale Geschäft ein. Köstlich wie ihre Patience die breitschultrigen Schwerkriminellen durch die Gegend scheucht und den verliebten Kommissar elegant an der Nase herumführt.

Als Kriminalkomödie funktioniert „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ auf beiden Ebenen. Humor, aber auch Genre-Spannung bestimmen den Unterhaltungswert. Die realistische Textur, wie der Zuschauer sie oft in französischen Polizeifilmen findet, verleiht der Angelegenheit mehr Glaubwürdgkeit, als es die Story erwarten lässt. Aber es ist vor allem Huppert, die den Film mit ihrer unschlagbaren Präsenz zusammenhält und komödiantisch veredelt.

Fra 2020, 106 Min.; Camera Zwo (Sb); Regie: Jean-Paul Salomé; Buch: Antoine und Jean-Paul Salomé; Kamera: Julien Hirsch; Musik: Bruno Coulais; Besetzung: Isabelle Huppert, Hippolyte Giradot, Farida Ouchani, Liliane Rovère.