„Das Ende der Wahrheit“ von Philipp Leinemann: Spannender, gut gespielter Politthriller. mit Trailer

Kino-Tipp : Mit Actionszenen von grimmiger Härte

✮✮✮ „Das Ende der Wahrheit“ von Philipp Leinemann: Spannender, gut gespielter Politthriller.

Martin Behrens ist Übersetzer in Diensten des Bundesnachrichtendienstes. Sein jüngster Job ist es, das Vertrauen eines Flüchtlings aus der zentralasiatischen Region Zahiristan zu gewinnen und so den Aufenthaltsort des prominenten Terroristen Al-Bahiri in Erfahrung zu bringen. Die Gegenleistung, freie Einreise nach Deutschland, ist schnell versprochen.

Einige Tage später ist Al-Bahiri in einem Drohnenangriff atomisiert worden und der Flüchtling nach Zahiristan abgeschoben, wo er kurz darauf im Zuge einer Racheaktion vor laufenden Kameras enthauptet wird. Behrens spürt keine Gewissenbisse, Verrat gehört zu seinem Job. Seine Geliebte Aurice Köhler, die als freie Journalistin arbeitet, bewertet die Sachlage anders. Sie ist einer brisanten Sache auf der Spur und lässt Behrens das wissen.

In Philipp Leinemanns Kinodebüt geht es um schmutzige Geschäfte im Zeichen hoher Investitionen und nachhaltiger Renditen auch und vor allem im privaten Interesse. Auch Staatsdiener haben ihre schwachen Seiten, aus denen heraus verbrecherische Handlungsweisen wuchern. Wie bei John le Carré wird die internationale Bühne zum Schachspiel mit Finten und Bauernopfern, wo kein Protagonist sicher sein kann, dass er oder sie den letztgültigen Überblick besitzt.

Ein Vergleich mit aufwändigen Hollywood-Reißern der Nullerjahre verbietet sich aus Gründen der Budgetierung. Klassiker aus Italien, Frankreich oder den Watergate-Jahren zu zitieren, ist ebenso wenig zielführend, wenngleich Leinemann diese Filme kennt. Viel wichtiger ist es, wie er die Vorbilder in geschickter Variation in unsere Zeit überträgt. Sein Drehbuch ist dabei nicht frei von Implausibilitäten, die aber nötig sind, weil sie die Geschichte voranbringen. Leinemann hält sich damit an die Devise von Paul Greengrass, dass Wahrscheinlichkeitskrämerei gut für Dokumentationen ist, eine fiktive Geschichte aber den Regeln des Genres unterworfen gehört, um Wirkung zu entfalten. Aus diesem Grund agieren sämtliche Akteure so gut wie kaum einmal davor, entfalten sich Actionszenen von grimmiger Härte. Und es bleibt bis zum Schluss richtig spannend.

D 2019, 105 Min., Camera Zwo (Sb); Regie und Buch: Philipp Leinemann; Kamera: Christian Stanggassinger; Musik: Sebastian Fillenberg; Besetzung: Ronald Zehrfeld, Alexander Fehling, Claudia Michelsen, Antje Traue.

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