Christian Alvart überträgt Hollywood-Konventionen in deutsche Verhältnisse

Polizeifilm : Wenn hässliche Leute hässliche Dinge tun

✮✮✮ „Freies Land“ von Christian Alvart: Reißerischer Polizeifilm aus Ostdeutschland.

Zwei Mädchen sind als vermisst gemeldet. Der Hamburger Polizist Patrick Stein (Trystan Pütter) wird wegen offen geäußerten Bestechungsvorwürfen gegenüber seiner Chefetage in die Mecklenburger Küstenregion strafversetzt, um den Fall zu untersuchen. Sein Partner vor Ort ist Markus Bach (Felix Kramer), der sich in der Gegend gut auskennt. Dann werden wieder zwei Mädchenleichen gefunden, und immer noch gibt sich die örtliche Bevölkerung wenig auskunftsfreudig. Die Lage verschärft sich noch einmal, als Stein unschöne Dinge aus der Vergangenheit seines Partners erfährt.

Ein hässlicher Film über hässliche Leute, die hässliche Dinge tun – diese Dreifaltigkeitskonstellation ist ein beliebter Topos im hartgesottenen Polizeifilm amerikanischer Prägung. Hierzulande fühlt sich nur Christian Alvart dafür zuständig, weshalb seine bisherigen Filme wie „Bank Lady“, „Tschiller: Off Duty“ oder „Abgeschnitten“ immer dann aus der Kurve flogen, wenn Alvart Hollywood-Konventionen ungefiltert deutschen Verhältnissen überstülpte. Sein jüngster Wurf nun ist eine Variation über den spanischen Polizeireißer „La Isla Minima“ von 2016, den er von der Küstenregion Andalusiens kongenial in die Schilfareale der Ostsee im Jahre 1991 übertrug.

Kamerabilder, in denen es keine Primärfarben zu geben scheint, setzen eine Atmosphäre des Misstrauens und der emotionalen Kälte, in denen die beiden Polizisten überhaupt nicht aus dem Rahmen zu fallen scheinen. Rund um die beiden sagenhaften Hauptdarsteller entfesselt sich ein nicht immer stimmiger Quirl aus Mystery und Actionelementen, wo sich bei letzteren zeigt, dass Alvarts Anspruch auch diesmal größer ist als sein Können. Die Schnitzer fallen aber trotzdem weniger ins Gewicht als sonst. Es ist tatsächlich ein deutscher Reißer geworden, den man auch im Kino ernst nehmen kann.

D 2019, 129 Min., Filmhaus (Sb); Regie und Kamera: Christian Alvart; Buch: Alvart, Siegfried Kamml; Musik: Christoph Schauer; Besetzung: Trystan Pütter, Felix Kramer, Nora von Waldstätten, Marius Marx.