Brad Pit versucht in seiner Rolle im All seinen Filmvater zu finden.

Galatisches Abenteuer : Herausragende Action-Einlagen auf dem Neptun

✮✮✮✮ „Ad Astra“ von James Grey: Weltraumdrama mit Brad Pitt in der Hauptrolle

In den letzten Jahren hat das Science-Fiction-Genre einige interessante Werke hervorgebracht, die das All als therapeutischen Raum in Szene setzten. In Alfonso Cuaróns „Gravity“ trieb Sandra Bullock im Raumanzug allein durch den Erdorbit, wo ihre Astronautin sich den eigenen Urängsten stellen musste. Zuletzt machte sich Ryan Gosling als Astronaut Neil Armstrong in „First Man“ auf den Weg zum Mond, um dem Schmerz über den Tod seiner Tochter zu entkommen. Nun wird in James Grays „Ad ­Astra“ Brad Pitt mit einer schwierigen verwandtschaftlichen Mission ins All geschossen. Roy McBride ist ein erfolgreicher Astronaut in einer nicht allzu fernen Zukunft, der es gewohnt ist Stress- und Gefahrensituationen mit Effizienz und Pragmatismus zu begegnen. Auch wenn er zu Beginn aus der Erdatmosphäre von einer riesigen Antenne hinabstürzt und sich mit dem Fallschirm rettet, steigt seine Pulsfrequenz nie höher als 80.

Kosmische Gefahren bedrohen die Erde und deren Ursache liegt in der Umlaufbahn des Neptuns. Dorthin hat die NASA vor dreißig Jahren eine bemannte Mission entsendet. Der Leiter des Projektes „Lima“ war Roys Vater Clifford McBride (Tommy Lee Jones), der seit 16 Jahren als verschollen gilt. Aber nun befürchten Roys Vorgesetzte, dass dessen Vater für die kosmische Gefahr verantwortlich ist. Der Sohn wird zum Neptun entsendet, um zu dem möglichen, väterlichen Übeltäter Kontakt aufzunehmen.

Garniert mit einigen herausragenden Space-Action-Einlagen ist der eigentliche Auftrag von Grays „Ad Astra“ eher beschaulicher Natur. Die Weltraumfahrt führt zur weitgehend unbekannten Vaterfigur und in eine Dekonstruktion des Selbstbildes, das Roy als unerschütterlicher, omnipotenter Held für sich aufgebaut hat.

Mit traumsicherer Eleganz verbindet Gray die Erkundung einer kriselnden Männerseele mit Bildern kosmischer Weite und Verlorenheit. Brad Pitt lässt durch seinen schauspielerischen Minimalismus vollkommen unangestrengt die Seele seiner Figur atmen, die sich allmählich von den Fesseln der Selbstbeherrschung befreit.

USA 2019, 124 Min.; Regie: James Gray; Buch: Gray, Ethan Gross; Kamera: Hoyte van Hoytema; Musik: Max Richter; Besetzung: Brad Pitt, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland, Ruth Negga.

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