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Klimawandel
Tausende Kilometer Küsten tauen ab

Dieses Foto zeigt die Küstenerosion der russischen Permafrostinsel Muostakh.  Sie schrumpft jedes Jahr um mindestens zehn Meter.
Dieses Foto zeigt die Küstenerosion der russischen Permafrostinsel Muostakh. Sie schrumpft jedes Jahr um mindestens zehn Meter. FOTO: Thomas Opel, Alfred-Wegener-Inst
Bremerhaven. Der Klimawandel lässt die sogenannten Permafrostböden in der Arktis tauen. Dadurch werden riesige Mengen Klimagase frei.

(np) Die ständig gefrorenen sogenannten Permafrostböden prägen ein Viertel der Landmasse auf der Nordhalbkugel der Erde. Etwa ein Drittel aller Küstenlinien liegt in Permafrostregionen, die sich über Alaska, Kanada, Grönland, Skandinavien und Sibirien erstrecken. Doch weil die Temperaturen steigen, tauen diese Küsten langsam ab.


Durchschnittlich werden die arktischen Küsten pro Jahr um knapp einen dreiviertel Meter vom Meer abgetragen, hat das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung errechnet. Das ist angesichts der Länge der Küstenlinien von zusammengerechnet 400 000 Kilometern ein enormer Wert. Diese Bodenerosion hat eine dramatische Nebenwirkung. Dabei werden riesige Mengen Treibhausgase frei. Ein EU-Projekt des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und des Deutschen Geoforschungszentrum untersucht jetzt die Folgen für das weltweite Klima und die Bewohner der Arktis.

Permafrostböden bestehen zu einem Teil aus vor langer Zeit tiefgefrorenen Pflanzenresten. Tauen diese auf, werden sie von Bakterien abgebaut, und dabei werden große Mengen der Klimagase Kohlendioxid und Methan frei. Dieser Prozess könnte künftig den Klimawandel noch verstärken. Wie groß sein Einfluss auf das Weltklima ist, ist jedoch bisher nicht bekannt.



Der tauende Boden stellt schon heute eine Gefahr für alle dort lebenden Menschen dar, erklären die Wissenschaftler. Wasser-, Gas- und Ölleitungen können reißen und Häuser einstürzen, wenn der bisher hartgefrorene Boden zu tauen beginnt. Von Permafrost- oder Dauerfrostböden sprechen Forscher, wenn das Erdreich mindestens zwei Jahre lang gefroren ist. In der Arktis gibt es Gebiete, in denen über zwei Drittel des Untergrundes aus Eis bestehen, berichtet das AWI. In den kältesten Regionen der Welt sind die Böden bis zu 1600 Meter tief gefroren.