Testberichte Stiftung Warentest: Produkte und Dienstleistungen von unabhängigen Experten getestet

Seit 1964 testet die Stiftung Warentest Produkte und Dienstleistungen, um Konsumenten unabhängig zu informieren. Aber am Verbraucher-Magazin ist auch wiederholt Kritik geübt worden. Wie glaubwürdig ist Deutschlands bekannteste Stiftung?

Es ist wohl eines der bekanntesten Logos Deutschlands: das weiß-rot-graue Siegel der Stiftung Warentest. Seit 1964 informiert die Verbraucher-Organisation über die Wertigkeit von Produkten und Dienstleistungen aller Art. Das Logo finden Verbraucher auf Smartphones über Kinderspielzeug bis hin zu Versicherungen und Corona-Masken.

Seit ihrer Gründung hat Stiftung Warentest über 100 000 Artikel getestet und an die 6000 Testreihen durchgeführt. Kaum einem anderen Urteil vertrauen die Deutschen mehr: 96 Prozent der kennen die Organisation, 80 Prozent verlassen sich laut einer 2018 durchgeführten Umfrage auf die vergebene Note.

  • Verbraucher-Organisation: Stiftung Warentest
  • Hauptsitz: Berlin
  • Gründungsdatum: 4. Dezember 1964
  • Umsatz: 63,7 Millionen Euro (Stand: 2021)
  • Mitarbeiteranzahl: 374 (Stand: 2021)
  • Alleinvorstand: Hubertus Primus

Die Idee hinter Stiftung Warentest: Schutz für Verbraucher

Ins Leben gerufen wurde die gemeinnützige deutsche Verbraucher-Organisation mit Sitz in Berlin auf Initiative des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Konsumenten sollten durch Stiftung Warentest bei ihren Kaufentscheidungen unterstützt werden. Als objektiver Wegweiser sollte der Test den Kunden zeigen, welche Produkte den erhobenen Qualitätsansprüchen genügen und welche nicht.

Verwirklicht wurden diese Pläne aber erst am 4. Dezember 1964 von seinem Nachfolger Ludwig Erhard. Sehr zum Unmut der Industrie, denn Unternehmen behaupteten, Konsumenten würden durch Werbung bereits ausreichend informiert werden – dieser Einspruch fand jedoch kein Gehör.

 Die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest informiert die Menschen in Deutschland über die Qualität von Konsumgütern und Dienstleistungen. (Symbolbild)

Die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest informiert die Menschen in Deutschland über die Qualität von Konsumgütern und Dienstleistungen. (Symbolbild)

Foto: obs/Cewe Color Ag & Co. Ohg

Nach der Gründung von Stiftung Warentest dauerte es weitere 15 Monate bis zum vollständigen Aufbau der Organisation. 1966 wurden die ersten Tests von Nähmaschinen und Handrührgeräten durchgeführt. Im selben Jahr wurde auch das Test-Heft mit einer Auflage von 210 000 Exemplaren verkauft.

So finanziert sich Stiftung Warentest

Auch heute finanziert sich die Stiftung vor allem durch den Verkauf ihrer Zeitschriften „test“ und „Finanztest“, in denen die Ergebnisse der Produkt- und Dienstleistungstests veröffentlicht werden. Nach Angaben des Instituts für Demoskopie Allens­bach lesen rund 3 Millionen Menschen das Heft regel­mäßig. Ein Heft kostet 6,90 Euro, die PDF zum downloaden 5,99 Euro, im Jahresabonnement ist es etwas günstiger. Auch auf der Website www.test.de werden die Ergebnisse veröffentlicht. Hier können einzelne Testergebnisse für 4,90 Euro freigeschaltet werden. (Stand: 5. Dezember 2022)

Hinzu kommt der Verkauf von Büchern (Handbuch Medikamente oder das Aroma-Buch), anderen Sonderpublikationen und Werbelizenzen. Auch von der Stifterin, der Bundesrepublik Deutschland, gibt es eine Zuwendung – 2021 waren das 1,9 Millionen Euro. Die Subventionen sollen als Ausgleich dafür dienen, dass Stiftung Warentest keine Werbeanzeigen in ihren Publikationen abdruckt.

Testverfahren: Produkte werden Alltagssituationen ausgesetzt

Unabhängigkeit ist nicht nur bei der Finanzierung der Stiftung ein großes Thema, sondern auch bei der Durchführung der Tests. Unparteiische Marktforscher und wissenschaftliche Mitarbeiter sind für die Marktauswahl und die Durchführung der Tests verantwortlich. Die Kriterien für die Bewertung werden individuell für jedes Produkt und jede Dienstleistung vom Fachbeirat der Stiftung ausgewählt. Die Waren werden von gewöhnlichen Kunden im Handel eingekauft. Etwa zehn Test-Einkäufer, die durch das Land fahren, sind dafür im Einsatz. Da eine Bankberatung oder ein Fitnessstudio-Training nicht eingekauft werden können, nehmen geschulte Tester die Dienstleistungen verdeckt in Anspruch.

Für eine objektive Bewertung werden die Produkte in unabhängigen Laboren geprüft. Um welches Prüfinstitut es sich handelt, wird nicht verraten. Denn: Die Institute sollen ihre Testarbeit machen, ohne von den Anbietern beeinflusst zu werden. Außerdem können Hersteller weder ein bestimmtes Testthema bestellen, noch bestimmen, welche Produkte in einen Test einbezogen werden. Niemand kann die Stiftung Warentest beauftragen, eine bestimmte Produktgruppe oder ein bestimmtes Produkt zu testen.

Um die Produkte angemessen zu testen, werden sie Alltagssituationen ausgesetzt. Das ist im Labor gar nicht so einfach, aber die Tester sind einfallsreich. So wie etwa beim Matratzen-Test: Eine 140 Kilogramm schwere Walze rollt in einer Klimakammer bei 80 Prozent Luftfeuchtigkeit 30 000 Mal hin und her. Der Test dauert vier bis fünf Monate, in dieser Zeit darf die Matratze keine Kuhle bilden, um zu bestehen.

Testergebnisse: Stiftung Warentest bewertet nach Schulnotensystem

Anschließend werden die Ergebnisse nach vorher bestimmten Kriterien bewertet. Diese müssen so objektiv wie möglich sein. Bei Produkten können die Kriterien wie Nutz- und Gebrauchswert, Umweltverträglichkeit und Qualität sein. Berücksichtigt werden aber auch externe Kriterien, wie etwa Anforderungen, die sich aus Industrienormen oder Qualitätszeichen (unter anderem: „Blauer Engel“, Öko-Siegel) ergeben. Auch relative Aspekte, also wie gut oder schlecht ein Produkt in Vergleich zu den anderen getesteten abschneidet, fließen in die Bewertung mit ein. Anschließend werden wie in der Schule Noten vergeben:

  • 0,5 bis 1,5: sehr gut
  • 1,6 bis 2,5: gut
  • 2,6 bis 3,5 befriedigend
  • 3,6 bis 4,5 ausreichend
  • 4,6 bis 5,5 mangelhaft

Im Hinblick auf den Bekanntheitsgrad und die Reputation von Stiftung Warentest haben die vergebenen Noten einen direkten Einfluss auf das Kaufverhalten der Verbraucher. Aus diesem Grund platzieren die Hersteller überdurchschnittliche Testergebnisse oftmals auf ihre Produkte. Diese aus Unternehmersicht dankbare Marketingkampagne kommt schließlich auch jenen Kunden zugute, die kein Abo von Stiftung Warentest besitzen.

Teure Werbung mit dem „test“-Logo

Mit dem Logo wird leider auch getrickst, etwa, wenn Bewertungen auf Nachfolgemodelle übertragen werden, die gar nicht getestet wurden. Oder ähnliche Testsymbole verwendet werden, die einen Zusammenhang zu Stiftung Warentest suggerieren sollen, der tatsächlich gar nicht vorhanden ist. Um dem entgegenzuwirken, gibt es strenge Regeln: Wer Werbung mit dem Test-Logo der Stiftung machen möchte, darf dies nur für das getestete Produkt verwenden, außerdem muss die Lizenznummer angegeben werden. Zwei Jahre lang ist das Logo gültig. Wenn in diesem Zeitraum die Qualität des Produktes abnimmt, kann die Lizenz entzogen werden. Wer gegen die Regeln verstößt, wird juristisch belangt.

Überdies ist die Werbung mit den Testergebnissen kostenpflichtig. Bis Juli 2013 musste dafür lediglich eine Bearbeitungsgebühr von 500 Euro gezahlt werden. Danach führte Stiftung Warentest allerdings ein Lizenzsystem ein, dafür wurde das gemeinnützige Unternehmen RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung beauftragt. Seitdem ist die Werbung mit den Testergebnissen kostenpflichtig. Die Preisspanne reicht von 8500 Euro für Werbung auf ein Produkt und in Medien für ein Jahr, bis zu 33 000 Euro für zwei Jahre.

Ein großes Problem, mit dem die Stiftung immer wieder konfrontiert wird, ist die Masse an Produkten auf dem Markt. Es können nie alle Produkte getestet werden, die Organisation muss eine eigene Auswahl aufgrund der Marktrelevanz treffen. Die Stiftung versucht daher, die Produkte zu testen, deren Nachfrage bei Verbrauchern verhältnismäßig hoch ist. Außerdem gibt es im Internet sogenannte Produktfinder, die mehrere Tests einer Produktkategorie in einer Datenbank zusammenfassen.

Jährlich werden um die 200 Tests von Waren und Dienstleistungen durchgeführt. Neuartige Produkte werden unter der Rubrik „Neu auf dem Markt“ getestet. Seit 2002 werden zudem Aktionswarenangebote aus Supermärkten getestet und online veröffentlicht. Die Bewertungskriterien und Kategorien werden dem Zeitgeist angepasst und können sich ändern. Verbraucher sind vermehrt nicht mehr nur an der Qualität und dem Preis des Produktes interessiert, sondern auch den Umständen der Herstellung. So werden seit 2004 Aspekte wie die soziale Unternehmensverantwortung in die Tests einbezogen. In den vergangenen Jahren sind außerdem die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz immer weiter in den Fokus gerückt. Im Jahr 2022 testete die Stiftung zum Beispiel die Nachhaltigkeitskriterien von Fonds und ETFs.

Stiftung Warentest: Auswirkungen von schlechten Noten für Produkte

Die Verbraucher-Organisation hat sich seit ihrem Bestehen einen guten Ruf erarbeitet und genießt ein hohes Ansehen: Schneidet ein Produkt besonders gut ab, wird das Testergebnis plakativ für Werbezwecke verwendet, während schlechte Bewertungen das Aus für eine Marke bedeuten können. Das passierte etwa im Jahr 2014, als die Stiftung Warentest die Gesichtscreme der Schauspielerin Uschi Glas testete. Das hatte es vorher bei der Stiftung noch nie gegeben: Sieben von 30 Testerinnen mussten den Produkttest vorzeitig abbrechen.

Die Creme hatte bei ihnen Hautreizungen und Pickel hervorgerufen. Der Hautarzt stellte bei den Frauen eine sogenannte irritativ-toxische Kontaktdermatitis fest, die Creme erhielt die Note „mangelhaft“. Daraufhin verklagte Uschi Glas Stiftung Warentest. Zunächst wollte sie Schadenersatz, weil der Absatzrückgang „schmerzlich“ sei. Danach klagte sie wegen Rufschädigung: „Für mich ist das ein großer Imageschaden“, sagte sie damals. In dem Rechtsstreit hat die Schauspielerin letztendlich einen Dämpfer hinnehmen müssen, denn sie verlor gegen Stiftung Warentest.

Niederlage vor Gericht nach Note „mangelhaft“ für Rittersport Schokolade

Dass schlechte Urteile wie im Fall von Uschi Glas in einer Klage enden, ist nichts Außergewöhnliches. Allerdings sind erfolgreiche Klagen der Hersteller eine Ausnahme. Davon gibt es nur wenige, wie etwa 2013, als die Stiftung eine Nussschokolade von Rittersport ungerechtfertigt mit „mangelhaft“ bewertete. In der Schokolade sei damals der Aromastoff Piperonal nachgewiesen worden, der entgegen der Werbung nicht natürlich sei. Vor Gericht verwies Ritter Sport daraufhin auf eine Garantieerklärung des Aromen-Zulieferers Symrise, nach der es sich doch um natürliches Aroma handele und gewann die juristische Auseinandersetzung.

Für Stiftung Warentest stellte das Urteil eine empfindliche Niederlage dar. Gerade wegen der großen Bedeutung der Testberichte müsse die Organisation ihre Worte besonders sorgsam wählen, hatte die Richterin gemahnt. Infolge des Rechtsstreits geriet Stiftung Warentest auch in der Bevölkerung und den Medien in die Kritik. Ihr wurde vorgeworfen, nicht sauber zu arbeiten.

Außerdem wird immer wieder die Unabhängigkeit und Objektivität der Organisation angezweifelt. So berichteten die Süddeutsche Zeitung und das WDR-Verbrauchermagazin 2014, dass bei durchgeführten ADAC-Reifentests offenbar auch Mitarbeiter der Reifenhersteller mitgewirkt haben sollen. Die Stiftung wies die Vorwürfe ebenso zurück wie der ADAC.

Stiftung Warentest wird kontrolliert

An der Spitze der Stiftung Warentest steht der 64-jährige Hubertus Primus. Seit 2012 ist der Jurist, Journalist und Manager im Vorstand. Gemeinsam mit Dr. Holger Brack­emann, Julia Bönisch und Daniel Gläser bildet er die Geschäfts­leitung. Die Tätigkeiten des Vorstands werden von den sieben Mitgliedern des Verwaltungsrates kontrolliert. Die drei Männer und vier Frauen sind noch bis zum 31. März 2024 Teil des Gremiums. Unterhalb des Verwaltungsrats und des Kuratoriums sitzt die Chefredaktion der Stiftung Warentest.

Nach sechs Jahrzehnten Verbraucherschutz blickt Stiftung Warentest auf eine bewegte Geschichte zurück. Und auch in Zukunft scheint das Konzept eine Erfolgsstory zu bleiben: „Mit einer Bestandsteigerung der Print- und Online-Abonnements um 3,8 Prozent auf insgesamt 578 421 war 2021 auch wirtschaftlich ein starkes Jahr“, so Vorstandschef Hubertus Primus im Jahresbericht 2021.

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