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Snapchat sorgt für weniger Sichtbarkeit bei Trumps Beiträgen

Trump sieht sich ungerecht behandelt : Snapchat verbannt den US-Präsidenten in die zweite Reihe

Künftig soll für Beiträge von US-Präsident Donald Trump nicht mehr prominent geworben werden. Sein Account bleibt aber bestehen.

Der Internet-Dienst Snapchat wird Beiträge von US-Präsident Donald Trump künftig weniger prominent platzieren. Sein Profil komme nicht mehr auf der hauseigenen Plattform (Discover) vor, auf der das Unternehmen ausgewählte Inhalte veröffentlicht. Das erklärten die Betreiber der Foto-App. Auf Discover sind unter anderem Medieninhalte und Nachrichten zu finden. „Wir werden kein Verstärker für Stimmen sein, die rassistische Gewalt und Ungerechtigkeit anfachen, indem wir ihnen kostenlose Werbung bei uns geben“, erklärte Snapchat. Zugleich soll aber der Trump-Account, dem rund 1,5 Millionen Snapchat-Nutzer folgen, bestehen bleiben.

Snapchat startete als Foto-App, ist inzwischen aber auch für Politiker und Medien zu einem wichtigen Kanal geworden, um jüngere Menschen zu erreichen – auch mit Blick auf die US-Präsidentenwahl im November.

Trumps Wahlkampfteam verurteilte das Vorgehen von Snapchat als Versuch, „die Wahl 2020 zu manipulieren“. Die Plattform wolle den demokratischen Herausforderer Joe Biden unterstützen und Trump bremsen, hieß es in einer Stellungnahme von Wahlkampfmanager Brad Parscale. Trump behauptet schon länger, Online-Dienste wollten konservative Ansichten wie seine unterdrücken und unterzeichnete jüngst eine Verfügung, die den Entscheidungsspielraum der Plattformen einengen soll.

Um Beiträge von Trump hatte sich in den vergangenen Tagen eine heftige Diskussion entwickelt. Twitter versah eine seiner Veröffentlichungen mit einem Warnhinweis, weil er gegen das Verbot von Gewaltverherrlichung auf der Plattform verstoßen habe. Facebook ging hingegen nicht gegen denselben Beitrag beim Online-Netzwerk vor. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat seine Entscheidung verteidigt, umstrittene Botschaften von US-Präsident Donald Trump auf der Plattform unkommentiert stehenzulassen.

Bei einer Videokonferenz mit Facebook-Mitarbeitern verwies Zuckerberg auf die Meinungsfreiheit und das öffentliche Interesse an Informationen. Gleichwohl sagte Zuckerberg laut der New York Times, er habe ein Telefonat mit Trump geführt und darin klargemacht, dass er eine spezielle Facebook-Nachricht des Präsidenten als aufstachelnd und schädlich empfunden habe.

Trump hatte in einer Veröffentlichung auf erste Ausschreitungen in Minneapolis nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz reagiert. Der US-Präsident schrieb, man werde die Kontrolle wiederherstellen, und er fügte hinzu: „Wenn Plünderungen beginnen, wird geschossen“ („when the looting starts, the shooting starts“). Der Satz ist ein historisch behaftetes Zitat. Mit diesen Worten hatte 1967 der damalige Polizeichef von Miami ein hartes Vorgehen gegen die demonstrierende schwarze Bevölkerung angekündigt.

(dpa)