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Reise
Zu Besuch in der "hinteren Ecke"

Im Pelikaan, einem Café mit Kaffeerösterei im niederländischen Zutphen, bieten Luc und sein Vater Johann Wassink 24 Kaffee- und 150 Teesorten an.
Im Pelikaan, einem Café mit Kaffeerösterei im niederländischen Zutphen, bieten Luc und sein Vater Johann Wassink 24 Kaffee- und 150 Teesorten an. FOTO: Bernd F. Meier
Zutphen. In der niederländischen Region Achterhoek ticken die Uhren langsamer als in den Großstädten. Langweilig wird es trotzdem nicht.

Morgens um zehn Uhr ist Kaffeezeit im Pelikaan. Draußen pfeift ein kalter Ostwind durch die Gassen, im Kaffeehaus selbst ist es gemütlich und kuschelig warm. „Gezellig“ sagen die Niederländer dazu.


„Wir haben 24 Kaffee- und 150 Teesorten“, verrät Johann Wassink. Mit seinem Sohn Luc betreibt er das Café und die Kaffeerösterei, die eine 200 Jahre alte Tradition vorweisen kann. Kaffee rösten sie heute nur noch dienstags, Nachbarn hatten sich über den intensiven Geruch der braunen Bohnen beschwert. Der Kaffeeversand aber läuft wie geschmiert. Johann Wassink: „Früher haben die Kunden per Postkarte bestellt, heute per Internet.“

Handel und Wandel bestimmen seit jeher das Städtchen Zutphen an der Ijssel, neben Doesburg eine der beiden Hansestädte im Achterhoek in den östlichen Niederlanden. De Achterhoek, das ist ins Deutsche übertragen „die hintere Ecke“ unseres Nachbarlandes. Eine Landschaft in der Provinz Gelderland, mit etwa 50 Kilometer Ausdehnung von West nach Ost.



Einsame Bauernhöfe, alte Wälder, knorrige Alleen, verwunschene Bachläufe und stille Dörfer bestimmen das Bild des sattgrünen Landes. Im Achterhoek ticken die Uhren langsamer als in den betriebsamen Großstädten im Westen des Nachbarlandes. Amsterdam und Rotterdam, Delft und Den Haag – allesamt sind sie keine zwei Autostunden entfernt, auch wenn es nicht so scheint.

Aus den Großstädten kommen die Reisenden zum Wildessen ins Land zwischen Doesburg, Doetinchem, Winterswijk, Lochem und Zutphen. Bereits seit den frühen 1980er Jahren gibt es im Achterhoek die traditionellen Wildwochen. In diesem Winter werden die schmackhaften Wildspeisen in 22 Restaurants aufgetischt.

Noch in den Kinderschuhen steckt hingegen die Brauerei „Brouwersnös“ in Groenlo. Im Frühjahr 2018 wurden die Kessel im Brauereigasthaus erstmals geheizt. „Damit setzen wir eine Jahrhunderte alte Tradition fort“, erläutert Brauer Jan Lucht. Denn bereits ab 1615 wurde Grolsch-Bier in Groenlo gebraut. Die Großbrauerei wurde jedoch 2004 nach Enschede umgesiedelt.

Zur winterlichen Kulinarik gesellt sich die Kunst, sowohl in kleinen und skurrilen als auch in großen und bedeutenden Museen im Achterhoek. Dazu gehört etwa das Heiligenbildchen-Museum in Kranenburg-Vorden in der St. Antonius-von-Padua-Kirche. Das Städtchen Borculo hat das Brandweermuseum mit einer Sammlung historischer Feuerwehrfahrzeuge. Und Winterswijk zeigt in der Villa Mondriaan Landschaften und Szenen des bäuerlichen Lebens im Achterhoek.

Zum Besuchermagneten hat sich auch das private Museum „MORE“ entwickelt. An seinen beiden Standorten im alten Kasteel Ruurlo und im modernen, kubistischen Neubau in Gorssel zeigt es Werke des Modernen Realismus niederländischer Künstler aus dem 20. und 21. Jahrhundert zeigt.

In Doesburg und Zutphen werden auch Stadtführungen angeboten, um in die Geschichte und Geschichten der beiden Hansestädte einzutauchen. Da erfährt man beim Rundgang durch malerische Gassen, dass der Turm der Doesburger Martinikirche mit 94 Meter der Höchste im Achterhoek ist. Das Wirtshaus „De Waag“ zu seinen Füssen existiert bereits seit 1478 und gilt als die älteste Gaststätte der Niederlande.