Zeitreise zu den schreibenden Schwestern

Zeitreise zu den schreibenden Schwestern

Berühmt wurde Haworth durch die Schriftstellerfamilie Brontë. In ihrem Haus, das heute ein Museum beherbergt, brachten die schreibenden Geschwister im 19. Jahrhundert ihre Romane zu Papier. Die Brontës locken jährlich hunderttausende Besucher in das Dorf in Nordengland.

Weiß und fragil wabern Dampfschwaden an den Fenstern des Zuges entlang, den das düstere Ungetüm seiner Lok über die Gleise zieht. Die vorbeiziehende Landschaft gibt sich alle Mühe, den Passagieren des Keighley-and-Worth-Valley-Railway zu gefallen - mit Hügeln, über die sich Wiesen und Weiden wie Teppiche spannen. Die Strecke der historischen Eisenbahn zwischen Keighley und Oxenhope im Norden Englands ist kurz. Trotzdem steigen die meisten Fahrgäste bereits in Haworth aus. Es sind vor allem Literaturpilger, die der Heimat der Geschwister Brontë einen Besuch abstatten wollen.

Besonders die Romane "Jane Eyre" und "Wuthering Heights" zählen zu den Klassikern englischer Literatur. Ihre Verfasserinnen, Charlotte beziehungsweise Emily Brontë, sind die bekanntesten Mitglieder der legendären Schriftstellerfamilie. Die Schwestern verbrachten den größten Teil ihres kurzen Lebens im elterlichen Pfarrhaus in Haworth und machten das Dorf in den Mooren von Yorkshire berühmt.

Heute kommen jedes Jahr etwa 300 000 Besucher in den zauberhaften alten Ort. Vom Bahnhof führt sie eine Fußgängerbrücke und ein sich anschließender Park an den Anfang der Main Street. Grob gepflastert führt die Hauptstraße steil bergauf, begleitet von ehemaligen Weberhäusern, deren Fassaden alle aus dem gleichen gelblichen, vom Alter geschwärzten Stein bestehen. "Die meisten stammen aus dem 19. Jahrhundert", berichtet Brontë-Experte Johnnie Briggs über die restaurierten Cottages. Ein malerischer Anblick, der sich Patrick Brontë, dem neuen Pfarrer, im Jahr 1820 so sicher nicht bot, als er mit Frau und sechs kleinen Kindern in dem elenden Arbeiterdorf Haworth ankam und sich die Umzugskarren der Familie die Main Street hinaufquälten.

Am Ende der Straße steht die Kirche, die 1879 das zu klein gewordene Gotteshaus, in dem Patrick seine Predigten hielt, ersetzte. Hinter der St. Michael and All Angels' Church, in der bis auf die jüngste Tochter Anne alle Brontës in einer Gruft ruhen, liegt das Pfarrhaus, nur getrennt durch den alten Friedhof, einen verwunschenen Fleck mit hohen Bäumen, deren Kronen kaum Sonnenlicht durchscheinen lassen. Früher war dies ein unheilvoller Ort, überbelegt, stinkend, ein Quell von Siechtum und Tod, die auch vor dem benachbarten feucht-kalten Pfarrhaus nicht haltmachten. Heute erscheint das 1778 errichtete Gebäude wie ein englischer Landhaustraum, gehegt und gepflegt von der Brontë-Gesellschaft, die das einstige Heim der Schriftstellerfamilie als Museum unterhält. Hübsch tapeziert und ausstaffiert mit originalen Dingen aus dem Brontë-Haushalt, holt man das weltabgeschiedene Leben der sechs Geschwister , von denen keines 40 Jahre alt werden sollte, ins Jetzt zurück.

Das Juwel des Hauses ist sicherlich sein Esszimmer, in dem die Töchter Charlotte, Emily und Anne ihre Romane schrieben. Hier entstanden die Bücher, die die viktorianische Literaturwelt gehörig aufmischten. Hier atmet alles die Gegenwart des Trios - das Sofa, auf dem Emily ihren letzten Atemzug tat, der Schaukelstuhl, in dem Anne mit den Füßen auf dem Kaminschutz am liebsten saß, und natürlich der Esstisch, dekoriert mit Nadelarbeit und Teetasse, um den die Schwestern bis spätabends saßen und über ihre Pläne sprachen. Inspiriert von der rauen Moorlandschaft gleich vor der Tür.

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